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Proklos
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Proklos (griechisch ΠρόÎșÎ»ÎżÏ‚ PrĂłklos mit dem Beinamen ᜁ ÎŽÎčÎŹÎŽÎżÏ‡ÎżÏ‚ ho diĂĄdochos „der Nachfolger“, auch Proklos der Lykier genannt, lateinisch Proclus; * wahrscheinlich 7. oder 8. Februar 412 in Konstantinopel; † 17. April 485 in Athen) war ein spĂ€tantiker griechischer Philosoph und Universalgelehrter. Als einer der einflussreichsten WortfĂŒhrer des Neuplatonismus spielte er in der Geschichte dieser philosophischen und religiösen Strömung eine herausragende Rolle. Er leitete fast ein halbes Jahrhundert lang die neuplatonische Schule von Athen, deren Arbeit er durch seine intensive LehrtĂ€tigkeit und seine zahlreichen Schriften prĂ€gte.

Das Kernelement der proklischen Philosophie ist die Theorie der Emanation, des stufenweisen Hervorgehens der Vielheit aus einer umfassenden, undifferenzierten Einheit, die als der Ursprung von allem gilt. Auf diesen ewig andauernden Entfaltungsprozess wird die Existenz einer hierarchisch aufgebauten, nach den Emanationsstufen gegliederten Weltordnung zurĂŒckgefĂŒhrt. Da zwischen den unterschiedlichen Ebenen des so strukturierten Weltsystems vermittelnde Instanzen benötigt werden, die den Zusammenhalt der Welt ermöglichen, erhĂ€lt das Ganze einen sehr komplexen Charakter. Als Gegenbewegung zur Emanation wird ein ZurĂŒckstreben des Hervorgegangenen zum Ausgangszustand angenommen. Daraus ergibt sich im proklischen Modell eine triadische (dreischrittige) Struktur des Weltprozesses: Bleiben in der Ursache, Hervortreten aus ihr und RĂŒckwendung zu ihr.

Proklos schrieb umfangreiche Kommentare zu Dialogen Platons sowie systematische Darstellungen seiner Philosophie und paganen Theologie, ferner Werke ĂŒber Themen der Mathematik, Physik und Astronomie. Seine Hymnen an verschiedene Götter lassen sein starkes religiöses Engagement erkennen. Als begeisterter AnhĂ€nger der griechischen Religion stand er in Opposition zum Christentum, das damals bereits die Staatsreligion des Römischen Reichs war.

Im Mittelalter wirkte das Weltbild des Proklos vielfĂ€ltig nach, vor allem auf indirektem Weg. Außerordentlich wirkmĂ€chtig waren die von seiner Denkweise geprĂ€gten Schriften des spĂ€tantiken christlichen Theologen Pseudo-Dionysius Areopagita. Auch der auf seinem Emanationskonzept fußende Liber de causis (Buch ĂŒber die Ursachen) fand viel Beachtung. Ab dem 13. Jahrhundert standen den west- und mitteleuropĂ€ischen Gelehrten auch lateinische Übersetzungen von Hauptwerken des Proklos zur VerfĂŒgung. Sie beeinflussten namhafte neuplatonisch orientierte Denker, darunter Nikolaus von Kues. In der arabischsprachigen Welt waren im Mittelalter ebenfalls GrundzĂŒge der proklischen Philosophie bekannt.

Im frĂŒhen 19. Jahrhundert erhielt Hegel vom triadischen Denken des Proklos einen wesentlichen Impuls fĂŒr seine dialektische Geschichtsdeutung. Damit begann eine „Proklos-Renaissance“. Andererseits richteten Gegner der hegelschen Dialektik heftige Kritik gegen den antiken Neuplatoniker, der als VorlĂ€ufer Hegels wahrgenommen wurde. In der neueren Forschung steht das BemĂŒhen um ein genaueres VerstĂ€ndnis des anspruchsvollen proklischen Weltmodells im Vordergrund, doch gehören auch Vergleiche mit Hegel weiterhin zu den aktuellen Themen.

Contents

‱ Leben
‱ Werke
‱ Lehre
‱ Astronomie
‱ Rezeption
‱ Antike
‱ Mittelalter
‱ Moderne
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Leben

Die Familie des Proklos stammte aus Xanthos, einer Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Lykien. Sein Vater Patrikios (Patricius) und seine Mutter Markella (Marcella) – beide Namen sind lateinischen Ursprungs – gehörten der dortigen Oberschicht an. Vermutlich war Patrikios der Sohn des Flavius Eutolmius Tatianus, eines Lykiers, der in der Reichsverwaltung bedeutende Ämter bekleidet hatte. Tatianus hatte von 388 bis 392 als Praefectus praetorio Orientis an der Spitze der Zivilverwaltung der wichtigsten Provinzen im Osten des Reichs gestanden, war dann aber beim Kaiser in Ungnade gefallen und in seine lykische Heimat zurĂŒckgekehrt. Patrikios war ein wohlhabender Anwalt. Zur Zeit der Geburt des Proklos, die aufgrund eines Horoskops gewöhnlich auf den 7. oder 8. Februar 412 datiert wird,cite-ref-1[1] lebte die Familie in der Hauptstadt Konstantinopel, doch kehrte sie bald darauf nach Xanthos zurĂŒck. Dort erhielt Proklos den ĂŒblichen Schulunterricht bei einem Grammatiklehrer. Nach dem Abschluss der Schulbildung begab er sich nach Alexandria, wo er Rhetorik, Latein und römisches Recht studierte, da er den Beruf seines Vaters ergreifen sollte. Doch eine Reise nach Konstantinopel leitete eine Wende ein; wohl unter dem Einfluss dortiger Gelehrter wandte er sich der Philosophie zu. Nach seiner RĂŒckkehr nach Alexandria gab er die bisherigen StudienfĂ€cher auf und begann bei Olympiodoros dem Älteren, einem renommierten Ausleger der Schriften des Aristoteles, Philosophie zu studieren. Außerdem eignete er sich auch mathematische Kenntnisse an. Dabei soll er durch ein außergewöhnlich leistungsfĂ€higes GedĂ€chtnis aufgefallen sein.cite-ref-2[2]

Nach Beendigung dieser Studien ging Proklos als etwa NeunzehnjĂ€hriger – also 430/431 – nach Athen, wo er zunĂ€chst den Neuplatoniker Syrianos kennenlernte. Syrianos stellte ihn dem bereits betagten Philosophen Plutarch von Athen vor, dem GrĂŒnder und Leiter der neuplatonischen Schule von Athen, die dort die Tradition der Platonischen Akademie fortsetzte. So wurde Proklos ein SchĂŒler Plutarchs, der ihn sehr schĂ€tzte und ihn in Aristoteles’ Schrift De anima (Über die Seele) und Platons Dialog Phaidon einfĂŒhrte. Plutarch starb etwa zwei Jahre nach Proklos’ Ankunft. Sein Nachfolger als Schulleiter wurde Syrianos, an den sich Proklos nun als SchĂŒler und Freund anschloss. Syrianos nahm ihn in sein Haus auf, behandelte ihn wie einen Familienangehörigen und betrachtete ihn als seinen Wunschnachfolger in der Schulleitung. Da die Schule ĂŒber ein betrĂ€chtliches Vermögen verfĂŒgte und keine UnterstĂŒtzung durch Außenstehende benötigte,cite-ref-3[3] konnte die Philosophengemeinschaft ein materiell sorgloses Leben fĂŒhren und ihre UnabhĂ€ngigkeit wahren. Bei Syrianos studierte Proklos, dem ĂŒblichen Lehrplan der Neuplatoniker folgend, erst die Schriften des Aristoteles, wofĂŒr er weniger als zwei Jahre benötigte, und danach die Philosophie Platons.cite-ref-4[4]

Als Syrianos um 437 starb, ĂŒbernahm der erst etwa fĂŒnfundzwanzigjĂ€hrige Proklos die Leitung der Schule,cite-ref-5[5] die er dann bis zu seinem Tod 485 innehatte. Diesem Amt verdankte er seinen Beinamen oder Titel diadochos („der Nachfolger“); damit war gemeint, dass er als Nachfolger Platons, der die Akademie um 387 v. Chr. gegrĂŒndet und bis zu seinem Tod geleitet hatte, das Oberhaupt der platonischen Schule war.cite-ref-6[6] Zu seinen namhaftesten SchĂŒlern zĂ€hlten Isidor, Ammonios Hermeiou, Zenodotos und der aus PalĂ€stina stammende Marinos von Neapolis, der spĂ€ter seine Nachfolge als Schulleiter antrat.cite-ref-7[7]

Proklos fĂŒhrte ein asketisches, arbeitsreiches, sehr diszipliniertes Leben und blieb unverheiratet. Nach der rĂŒhmenden Schilderung des Marinos von Neapolis war er tagsĂŒber unermĂŒdlich als Lehrer und Schriftsteller tĂ€tig, nachts widmete er sich dem Gebet und schlief nur wenige Stunden. TĂ€glich soll er am Morgen mindestens fĂŒnf Unterrichtseinheiten (prĂĄxeis, „Lektionen“) absolviert haben, wobei es um die Auslegung von Texten der philosophischen Schulautoren ging; danach widmete er sich der schriftstellerischen Arbeit und den Diskussionen mit seinen Kollegen. Abends erteilte er wiederum Unterricht.cite-ref-8[8] Die Lehrveranstaltungen fanden in einem Privathaus statt, das Plutarch gehört hatte und nach dessen Tod Sitz der Schule und WohnstĂ€tte ihres Leiters blieb. Dieses Bauwerk identifizieren manche ArchĂ€ologen mit dem „GebĂ€ude Chi“ am SĂŒdhang der Akropolis, das daher „Haus des Proklos“ genannt wird. Das GebĂ€ude Chi wurde 1955 teilweise ausgegraben und vom Ausgrabungsleiter Ioannis Meliades als Sitz der neuplatonischen Schule betrachtet. Die Hypothese von Meliades ist in der Forschung auf Zustimmung, aber auch auf Widerspruch gestoßen.cite-ref-9[9]

Proklos beschrĂ€nkte sich nicht auf die Leitung seiner Schule, sondern zĂ€hlte auch Beteiligung am öffentlichen Leben zu den Aufgaben eines Philosophen. Bei einer stĂ€dtischen Behörde setzte er sich erfolgreich fĂŒr die Bildungsförderung durch eine leistungsabhĂ€ngige Besoldung qualifizierter Rhetoriklehrer ein. Er ĂŒberprĂŒfte persönlich den Arbeitseifer und die Leistungen derer, die auf seine Empfehlung mit öffentlichen Mitteln unterstĂŒtzt wurden.cite-ref-10[10] Kommunalpolitisch engagierte er sich durch Teilnahme an BĂŒrgerversammlungen, bei denen er das Wort ergriff und zu aktuellen Fragen Stellung nahm.cite-ref-11[11] Zum Christentum, das damals die Staatsreligion des Oströmischen Reichs war, stand er in heftiger Opposition; er warf den Christen Ignoranz, Unfrömmigkeit, innere ZwiespĂ€ltigkeit ihrer Seelen und Zwietracht untereinander vor.cite-ref-12[12] Ein Konflikt, der wohl mit seiner antichristlichen Haltung zusammenhing, veranlasste ihn, fĂŒr ein Jahr nach Lydien auszuweichen, dann kehrte er nach Athen zurĂŒck. Er starb am 17. April 485. Seine Gebeine wurden in der GrabstĂ€tte des Syrianos beigesetzt, wie dieser es gewĂŒnscht hatte. Obwohl die Grabinschrift des Syrianos gefunden wurde, ist die GrabstĂ€tte nicht genau lokalisierbar.cite-ref-13[13]

Werke

Proklos war ein außergewöhnlich vielseitiger und fruchtbarer Schriftsteller. Im Lauf seines langen Gelehrtenlebens verfasste er mehr als fĂŒnfzig Werke, von denen viele erhalten sind. Obwohl sie alle in griechischer Sprache geschrieben wurden, werden ihre Titel oft lateinisch angegeben.

Philosophische Kommentare

Im Rahmen seiner LehrtĂ€tigkeit kommentierte Proklos eine Reihe von Werken des Aristoteles und Platons. Ob von seiner mĂŒndlichen Aristoteleskommentierung Aufzeichnungen angefertigt wurden, ist unbekannt. Von seinen Kommentaren zu Dialogen Platons ist keiner vollstĂ€ndig ĂŒberliefert. Zu einem betrĂ€chtlichen Teil erhalten sind diejenigen zum Ersten Alkibiades, zum Kratylos (in Form von AuszĂŒgen aus Aufzeichnungen eines SchĂŒlers),cite-ref-14[14] zum Parmenides und zum Timaios sowie eine Sammlung von 17 Abhandlungen zur Politeia, darunter ein Kommentar zum in diesem Dialog enthaltenen Mythos des Er. GĂ€nzlich oder bis auf knappe Fragmente verloren sind seine Kommentare zum Gorgias, Phaidon, Phaidros, Philebos, Sophistes, Symposion und Theaitetos.cite-ref-15[15] Von einem Kommentar zu den Enneaden Plotins sind nur Fragmente erhalten.cite-ref-16[16]

Beim Kommentieren ging Proklos in manchen FĂ€llen nach einer Methode vor, die von den BedĂŒrfnissen des Unterrichts bestimmt war und fĂŒr die Folgezeit vorbildlich wurde: Er bot jeweils zu einem Abschnitt des kommentierten Werks zunĂ€chst eine allgemeine Erörterung des Inhalts, in der er auch auf fremde Lehrmeinungen einging, und anschließend dem Text folgend eine Auslegung von einzelnen Aussagen, die „Lesung“ (lĂ©xis), in der er erklĂ€rungsbedĂŒrftige Stellen erlĂ€uterte und Einzelheiten behandelte. Dieses Schema stammte aus der mĂŒndlichen Auslegung. Einer Forschungshypothese zufolge hielt sich Proklos in denjenigen Kommentaren, die nur wenig verĂ€nderte Fassungen seiner Vorlesungen waren, weitgehend an das Schema, wĂ€hrend er in den FĂ€llen, in denen er den Vorlesungstext stĂ€rker ĂŒberarbeitete oder den Kommentar von vornherein als schriftliches Werk konzipierte, freier verfuhr oder ganz auf das Schema verzichtete.cite-ref-17[17]

Philosophische und religiöse HandbĂŒcher und Abhandlungen

Die wichtigsten theologisch-metaphysischen Werke des Proklos sind zwei HandbĂŒcher. Das eine trĂ€gt den Titel Grundlagen (oder: Elemente) der Theologie (Stoicheíƍsis theologikᾗ, lateinisch Elementatio theologica); es ist eine Zusammenstellung von 211 LehrsĂ€tzen mit der zugehörigen BeweisfĂŒhrung. Das andere, die Platonische Theologie (Peri tēs kata PlĂĄtƍna theologĂ­as, lateinisch Theologia Platonica), ist eine umfassende Darstellung der proklischen Götterlehre in sechs BĂŒchern, die der Autor dem Philosophen Perikles von Lydien widmete. Jedes der sechs BĂŒcher beschreibt eine Stufe der Götterhierarchie mit Heranziehung der entsprechenden Passagen der platonischen Dialoge.

Ein Text des Proklos zur theoretischen BegrĂŒndung von Opfern und Magie, dessen ĂŒberlieferter Titel Über die priesterliche Kunst sicher nicht authentisch ist, ist nur bruchstĂŒckweise ĂŒberliefert.cite-ref-18[18] Drei weitere Abhandlungen ĂŒber religiöse Themen sind verloren: Über die mythischen Symbole, Über die Mutter der Götter (gemeint ist Kybele) und Über die Herbeirufung (einer Gottheit).cite-ref-19[19]

Unter der seit dem SpĂ€tmittelalter gĂ€ngigen Bezeichnung tria opuscula („drei kleine Werke“) werden drei religionsphilosophische Abhandlungen des Proklos zusammengefasst. Diese Schriftengruppe ist nur in einer mittelalterlichen lateinischen Übersetzung und in einer abgewandelten griechischen Fassung aus byzantinischer Zeit ĂŒberliefert; ferner liegen einige Zitate und AuszĂŒge in griechischer Sprache vor. Zwei der Abhandlungen, Über zehn die Vorsehung betreffende Zweifelsfragen und Über die Vorsehung und das Schicksal und das, was an uns liegt, behandeln Probleme, die sich aus der Annahme einer göttlichen Vorsehung ergeben. In der dritten Schrift, Über die Beschaffenheit der Übel, untersucht der Philosoph die Fragen, inwiefern Übel existieren, wo und aus welchem Grund sie bestehen und was ĂŒber die Art ihrer Existenz ausgesagt werden kann.cite-ref-20[20]

Verloren sind eine EinfĂŒhrung in die platonische Philosophie, die lateinisch Prolegomena ad Platonis philosophiam genannt wird, sowie mehrere Abhandlungen ĂŒber einzelne Themen des Platonismus. Eine Entgegnung des Proklos auf die Kritik des Aristoteles an Platons Timaios ist anhand einer indirekten Überlieferung teilweise rekonstruierbar.cite-ref-21[21] Eine Schrift, in der Proklos mit achtzehn Argumenten beweisen wollte, dass die Welt weder einen Anfang noch ein Ende habe, ist verloren und ihr authentischer Titel ist unbekannt, doch kann ihr Inhalt anhand einer Gegenschrift des Christen Johannes Philoponos rekonstruiert werden.cite-ref-22[22] Nur auszugsweise erhalten ist die Abhandlung Über den Ort (Peri tĂłpou).cite-ref-23[23]

Kommentare zu Dichtungen

Proklos verfasste eine Auslegung von Hesiods Lehrgedicht Werke und Tage sowie einen sehr umfangreichen Kommentar zu den ChaldĂ€ischen Orakeln, einer kaiserzeitlichen religiösen Lehrdichtung, die bei den spĂ€tantiken Neuplatonikern in höchstem Ansehen stand. Die Deutung der Orakel ist nicht erhalten geblieben, aber anhand byzantinischer Quellen teilweise rekonstruierbar. Die Auslegung von Hesiods Gedicht, die in erster Linie auf Plutarchs Kommentar zu diesem Werk fußt,cite-ref-24[24] ist in den Hesiod-Scholien fragmentarisch ĂŒberliefert.

Mathematik und Naturwissenschaft

Zum erhaltenen ƒuvre des Proklos zĂ€hlen auch drei Schriften ĂŒber mathematische und naturwissenschaftliche Themen. Er verfasste einen Kommentar zum ersten Buch von Euklids Elementen (Eis to a' tƍn EukleĂ­dou stoicheíƍn) mit zwei Vorreden ĂŒber die Geschichte der Mathematik, die eine wichtige wissenschaftsgeschichtliche Quelle sind. Dieses Werk ist der einzige heute vorliegende antike Euklid-Kommentar. In den Grundlagen der Physik (Stoicheíƍsis physikᾗ, lateinisch Institutio physica oder Elementatio physica) fasste Proklos Erkenntnisse aus den BĂŒchern 6 und 8 der Physik des Aristoteles zur Bewegungslehre zusammen; außerdem verarbeitete er Material aus dem ersten Buch von Aristoteles’ Abhandlung Über den Himmel. In der Kurzen Darstellung astronomischer Hypothesen (HypotĂœpƍsis tƍn astronomikƍn hypothĂ©seƍn) behandelte er die Astronomie des Ptolemaios. Diese Schrift gilt als die beste antike EinfĂŒhrung in das unter der Bezeichnung Almagest bekannte Standardwerk des einflussreichen Astronomen, das fĂŒr das spĂ€tantike und mittelalterliche Weltbild eine wegweisende Rolle spielte.cite-ref-25[25]

Hymnen

Als eifriger Verehrer der Götter dichtete Proklos eine Reihe von Hymnen, von denen nur sieben erhalten geblieben sind. Sie zeugen von seiner guten Kenntnis der Verskunst und der epischen Sprache; er spielte oft kunstvoll mit seinen literarischen Vorlagen. Einen Ausdruck einer subjektiven Frömmigkeit sucht man in diesen Gedichten aber vergebens; die Stimmung wirkt echt, aber die Sprache ist konventionell. Es ging Proklos nicht um Affekt, nicht um das AusdrĂŒcken einer gefĂŒhlsbetonten, personengebundenen Haltung, sondern um ein sakrales Handeln, das Subjektives und Irrationales ausschließt. Einige der verlorenen Hymnen dienten dem Kult orientalischer Gottheiten, denn Proklos beschrĂ€nkte sich nicht auf die Anrufung griechischer Götter, sondern hatte auch fĂŒr fremdlĂ€ndische religiöse Traditionen große WertschĂ€tzung. Er meinte, ein Philosoph solle nicht nur die Götter seiner Stadt feiern, sondern Hierophant des ganzen Kosmos sein.cite-ref-26[26]

Die sieben erhaltenen Hymnen haben hexametrische Form. Der erste ist an den Sonnengott Helios gerichtet, der zweite an Aphrodite, der dritte an die Musen, der vierte an die Götter im Allgemeinen,cite-ref-27[27] der fĂŒnfte an Aphrodite als Schutzgöttin von Proklos’ lykischer Heimat. Mit dem sechsten wandte sich der Philosoph an Rhea, Hekate und Zeus, wobei er Zeus mit dem römischen Gott Ianus identifizierte. Der siebte Hymnus ist eine Anrufung der Athene.cite-ref-28[28]

Lehre

Zielsetzung, Voraussetzungen und Grundlagen

Proklos verstand sich – wie bei den Neuplatonikern ĂŒblich – als getreuer Interpret der Philosophie Platons und Wahrer der authentischen platonischen Tradition. Dabei trat er besonders als Systematiker hervor. Sein Anliegen war die Zusammenstellung des platonischen Gedankenguts und der damit ĂŒbereinstimmenden Inhalte anderer Traditionen zu einem wohlgeordneten, schulmĂ€ĂŸig vermittelbaren Lehrstoff. Es gelang ihm, die neuplatonische Philosophie und Theologie erstmals in ihrer Gesamtheit als einheitliches, geschlossenes System darzustellen, indem er ihre LehrsĂ€tze als Glieder einer Kette von Folgerungen ableitete und sie als notwendige Konsequenzen aus plausiblen Annahmen erscheinen ließ. Damit errichtete er das GebĂ€ude einer umfassenden Weltdeutung, die aus seiner Sicht sowohl wissenschaftlich begrĂŒndet war als auch mit den richtig verstandenen Aussagen der anerkannten AutoritĂ€ten einschließlich der großen Dichter im Einklang war.cite-ref-29[29] Ein relativ distanziertes VerhĂ€ltnis hatte Proklos allerdings zu Aristoteles. Aristotelische Schriften gehörten zwar an der neuplatonischen Philosophenschule zum Lehrstoff, doch beurteilte Proklos Teile der aristotelischen Lehre kritisch. In Fragen, die zwischen den Platonikern und den Aristotelikern strittig waren, nahm er nachdrĂŒcklich fĂŒr die platonische Position Stellung.cite-ref-30[30]

Die Grundlage fĂŒr die Konstruktion des proklischen Systems war die Interpretation ausgewĂ€hlter platonischer Dialoge. Proklos stellte fest, der Parmenides sei fĂŒr die Metaphysik maßgeblich und der Timaios fĂŒr die Kosmologie; in diesen beiden Dialogen sei das gesamte platonische Weltbild enthalten.cite-ref-31[31] Da die Metaphysik als vornehmster und weitaus wichtigster Teil der Philosophie galt, meinte Proklos, im Parmenides sei der Kern der platonischen Lehre zu finden.cite-ref-32[32]

Wie alle Neuplatoniker unterschied Proklos scharf zwischen dem nur geistig erfassbaren Bereich der reinen Denkinhalte und der sinnlich wahrnehmbaren Welt der materiellen Dinge. Man sprach von einer „geistigen Welt“ (griechisch kĂłsmos noētĂłs, lateinisch mundus intelligibilis). Es galt als evident, dass die Sinneswelt ein Abbild der geistigen Welt sei, der sie ihre Existenz verdanke. Daraus ergab sich fĂŒr die Neuplatoniker eine hierarchische Rangordnung, in der das Geistige dem Materiellen prinzipiell ĂŒbergeordnet ist. Das Niedrigere ist ein Erzeugnis des Höheren, nach dessen Vorbild es gestaltet ist und an dessen Eigenschaften es Anteil hat, soweit seine Daseinsbedingungen das gestatten. Es ist vom Höheren in jeder Hinsicht abhĂ€ngig, wĂ€hrend das Höhere in keiner Weise auf das Niedere angewiesen ist. Das Geistige ist als ĂŒbergeordneter Bereich das Allgemeinere und Einfachere, das sinnlich Wahrnehmbare tritt verstreut in der Vielfalt und individuellen Besonderheit der einzelnen Sinnesobjekte in Erscheinung. An der Spitze dieser Ordnung, noch ĂŒber dem Geistigen, steht „das Eine“, das absolut transzendente und vollkommen einfache höchste Prinzip. Es ist der Ursprung von allem und selbst von nichts abhĂ€ngig.cite-ref-33[33]

Diese allgemein akzeptierte Grobeinteilung bildete in der SpĂ€tantike die Ausgangsbasis fĂŒr weitere Differenzierung; außerdem waren die ZusammenhĂ€nge zwischen den Hauptbereichen zu klĂ€ren. Schon seit Plotin (205–270), dem BegrĂŒnder des Neuplatonismus, bemĂŒhten sich die Neuplatoniker, ihrem Modell der Gesamtwirklichkeit eine grĂŒndlich ausgearbeitete und plausibel begrĂŒndete Struktur zu geben und damit die Hypothesen ihrer VorgĂ€nger, die heute als „Mittelplatoniker“ bezeichnet werden, zu ĂŒbertreffen. Plotin hatte eine dreiteilige Grundstruktur der metaphysischen SphĂ€re mit drei hierarchisch geordneten Prinzipien angenommen: Unter dem absolut undifferenzierten Einen (griechisch to hen) steht der ĂŒberindividuelle Geist oder Intellekt (griechisch nous), gefolgt vom seelischen Bereich, der den untersten Teil der rein geistigen Welt bildet. Unmittelbar unter dem Seelischen beginnt die SphĂ€re der Sinnesobjekte, der gestalteten Materie; ihr kommt in der Weltordnung der niedrigste Rang zu.cite-ref-34[34]

Die spĂ€tantiken Neuplatoniker ĂŒbernahmen die GrundzĂŒge von Plotins Konzept, widersprachen ihm aber in manchen Fragen. Auch untereinander waren sie oft verschiedener Meinung. Im Verlauf der Geschichte des antiken Neuplatonismus zeichnete sich eine Tendenz zu immer komplexerer Ausgestaltung des Weltmodells ab; zusĂ€tzliche Instanzen und Zwischenstufen zwischen den verschiedenen Daseinsebenen schienen erforderlich und wurden eingefĂŒgt.cite-ref-35[35] In diesem Prozess einer fortschreitenden Differenzierung und Verfeinerung des Weltbilds spielte Proklos eine SchlĂŒsselrolle. Er begnĂŒgte sich aber nicht damit, Hypothesen aufzustellen und die theoretische Spekulation voranzutreiben. Als Philosophielehrer verfolgte er das Hauptziel, seinen SchĂŒlern und Lesern Orientierung im Kosmos zu bieten und ihnen damit zugleich eine Anleitung zu einer idealen LebensfĂŒhrung nach philosophischen GrundsĂ€tzen zu geben. Einsicht in die Beschaffenheit der Welt und Umsetzung der Erkenntnisse im Handeln hingen nach seinem VerstĂ€ndnis unauflöslich zusammen. Das Umfeld fĂŒr die Praxis bildete das Milieu der Philosophenschule, in der die Platoniker ein gemeinsames Leben fĂŒhrten und durch Freundschaften und familiĂ€re VerknĂŒpfungen miteinander verbunden waren.cite-ref-36[36]

Wie es der platonischen Tradition und insbesondere der neuplatonischen Denkweise entsprach, bildeten fĂŒr Proklos Religion und Philosophie eine untrennbare Einheit. Er praktizierte den im spĂ€tantiken „Heidentum“ verbreiteten Synkretismus, die Verschmelzung verschiedener religiöser Überlieferungen und philosophischer Schulrichtungen. Die synkretistische Synthese war den Neuplatonikern ein wichtiges Anliegen; sie brachte eine ganzheitliche Weltdeutung hervor, die der christlichen Schöpfungs- und Erlösungslehre als Alternative entgegengestellt werden konnte. Den stabilen Kern von Proklos’ System machten die herkömmlichen GrundĂŒberzeugungen der Neuplatoniker aus; ihnen passte er Gedankengut anderer Herkunft durch entsprechende Interpretation an. Das BemĂŒhen um Harmonisierung war ein wichtiger Teil seiner Arbeit.cite-ref-37[37]

Die Entwicklung einer allgemeinen Methodenlehre lehnte Proklos grundsĂ€tzlich ab. Er meinte, es könne keine abstrakte Methodenlehre mit absoluter Geltung geben, die von allen besonderen Inhalten abstrahiere; vielmehr mĂŒsse die Methode den jeweiligen Inhalten angepasst werden. Die Methode sei nur Hilfsmittel und dĂŒrfe nicht zum Selbstzweck werden.cite-ref-38[38]

Die Struktur der Welt

Im Modell des Proklos wird die Existenz der Gesamtheit der Dinge auf ein stufenweises Hervorgehen alles Seienden aus dem Ausgangspunkt, dem Einen, zurĂŒckgefĂŒhrt. Mit dem „Hervorgehen“ ist nicht eine Schöpfung oder Entstehung in der Zeit gemeint; vielmehr ist die Welt fĂŒr Proklos wie fĂŒr zahlreiche Platoniker zeitlich anfangs- und endlos. AusdrĂŒcke wie „erschaffen“ und „hervorgehen“ dienen in seiner Kosmologie nicht zur Bezeichnung einzelner Ereignisse. Sie sollen nur metaphorisch ausdrĂŒcken, dass das Erzeugte oder Hervorgegangene seine Existenz der Existenz der erzeugenden Instanz verdankt. Der Zusammenhang ist, soweit es um die geistige Welt geht, ĂŒberzeitlich; im Bereich des Zeitlichen kann die Erzeugung als ein endloser Prozess aufgefasst werden. Ein ĂŒberzeitliches VerhĂ€ltnis zwischen einer Ursache und einer Wirkung wird zur Unterscheidung von einer ereignishaften Verursachung als „kausale Erzeugung“ bezeichnet.cite-ref-39[39]

Das Eine ist die oberste, ursprĂŒngliche RealitĂ€t. Unter ihm sind die einzelnen Wirklichkeitsebenen angeordnet, wobei jede aus der ihr unmittelbar ĂŒbergeordneten hervorgeht. Das Allgemeinere ist immer das Höherrangige und Hervorbringende, das Speziellere das Niedrigere und Erzeugte. Das Hervorgehen wird in der philosophischen Terminologie als Emanation (Ausfließen, Ausströmen) bezeichnet; die Ebenen werden in der neuplatonischen Fachsprache „Hypostasen“ genannt. So entsteht eine hierarchische Stufenleiter, die bis zur Materie hinabreicht, wo die unterste Existenzweise anzutreffen ist. Die UrsĂ€chlichkeit ist nicht so zu verstehen, dass eine Stufe nur von der nĂ€chsthöheren hervorgebracht wird; vielmehr wird jede Stufe indirekt durch alle ihr vorangehenden produziert und unmittelbar durch die nĂ€chsthöhere. Generell gilt der Grundsatz: Je allgemeiner und damit dem Einen nĂ€her eine Ebene ist, desto mĂ€chtiger macht sich ihr Einfluss auf alles ihr Nachgeordnete geltend.cite-ref-40[40]

Der Ursprung von allem

Proklos behauptet, es mĂŒsse eine erste und höchste Ursache geben. Die Existenz einer Ursache von allem, was ist, hĂ€lt er fĂŒr beweisbar. FĂŒr die gegenteilige Annahme sieht er drei Möglichkeiten, die nach seiner Argumentation alle absurd sind: Entweder hat Seiendes keine Ursache, dann ist der Satz vom zureichenden Grund verletzt; in diesem Fall ist die Welt chaotisch und somit Wissenschaft unmöglich; oder Ursachen und Wirkungen sind zirkulĂ€r, dann muss das Hervorgebrachte das Hervorbringende hervorbringen und die Ursache ist der Wirkung nicht ĂŒberlegen; oder es gibt eine endlose Ursachenkette, und dann ist Erkenntnis unmöglich. Wissenschaft existiert aber, in der Welt besteht Ordnung, Ursachen stehen ĂŒber ihren Wirkungen und Seiendes ist erkennbar. Also muss es eine Kausalkette geben, deren erstes Glied die Ursache von allem ihm Nachrangigen ist.cite-ref-41[41]

Nach der Lehre des Proklos ist es notwendig, dass die Ursache alles Seienden dasjenige ist, an dem alles Seiende Anteil hat, oder fachsprachlich ausgedrĂŒckt: dasjenige, was von allem Seienden partizipiert wird. Dies ist im Sinne des platonischen Begriffs der „Teilhabe“ (Methexis) zu verstehen. Mit Teilhabe oder Partizipation ist gemeint, dass dem Partizipierenden die Eigenschaft, fĂŒr die das Partizipierte verantwortlich ist, zukommt, weil das Partizipierte ihm diese Eigenschaft verleiht. Das Partizipierte hat also als solches immer die Funktion der Ursache, denn es gibt dem Partizipierenden eine bestimmte Beschaffenheit, die das Partizipierende als EntitĂ€t konstituiert. Die Anzahl der Eigenschaften einer partizipierenden EntitĂ€t ergibt sich aus der Anzahl der Ursachen, welche diese EntitĂ€t partizipiert. Die allgemeinste Eigenschaft, die von allem Seienden ausgesagt wird, ist „x ist eines“. Auch auf eine Vielheit trifft diese Aussage zu, wenngleich in schwĂ€cherem Grad als auf eine Einheit, denn jede Vielheit ist in gewisser Hinsicht zugleich „eines“ und muss daher am Prinzip „das Eine“ Anteil haben. Die Eigenschaft, eines zu sein, ist somit abgestuft, aber in allem Seienden in geringerem oder höherem Grad vorhanden. Keine andere Eigenschaft ist so allgemein wie diese. Sogar das Nichts ist „eines“ und insofern am „Einen“ beteiligt, es ist nicht ganz und gar nichts. Somit ist „das Eine“ die erste und höchste Ursache und zugleich das erste Prinzip, denn es ist dasjenige, was fĂŒr das allgemeinste PrĂ€dikat verantwortlich ist. FĂŒr diese These bringt Proklos einen Beweis vor, mit dem er zu zeigen versucht, dass das Gegenteil des zu beweisenden Satzes absurd sei. Die SchlĂŒssigkeit des Beweises ist in der Forschung umstritten.cite-ref-42[42]

Hier stellt sich die Frage nach dem Status des Einen in der Ontologie, der Lehre vom Sein oder vom Seienden als solchem. Das Eine muss schlechthin einfach und einheitlich, also absolut undifferenziert sein; es darf keinen Aspekt von Vielheit aufweisen, da es sonst eine noch höhere, ihm ĂŒbergeordnete Einheit geben mĂŒsste, die seine Einheit zu stiften hĂ€tte, womit ein infiniter Regress eintrĂ€te. Somit kann das Eine nicht im Bereich des Seienden zu suchen sein, denn alles Seiende ist „geeinigt“, das heißt, es trĂ€gt in sich neben der Einheit auch eine Vielheit und bedarf einer Instanz, die es einigt. Das schlechthin Eine kann aber auch nicht „nicht seiend“ sein in dem Sinn, dass ihm das Sein mangelt, denn dann könnte es nicht den seienden Dingen das Sein verleihen. Also muss das Eine â€žĂŒberseiend“ sein: Es „ist“ nicht, aber es ist das Prinzip von allem, was ist. Es ist absolut transzendent, das heißt, es ist kein „Etwas“, das sprachlich oder gedanklich erfasst werden könnte. Daher kann es nur indirekt durch Spekulation aus den ihm nachgeordneten EntitĂ€ten erschlossen werden.cite-ref-43[43]

Eine Konsequenz aus der absoluten Einfachheit und Undifferenziertheit des Einen ist, dass es von allen positiven Bestimmungen frei sein muss. Man darf ihm also nichts hinzufĂŒgen; Bestimmungen – das heißt Aussagen des Typus „Das Eine ist x“ – wĂ€ren HinzufĂŒgungen und wĂŒrden als solche die Einheit aufheben, denn sie wĂŒrden eine PolaritĂ€t einfĂŒhren. Sinnvoll sind daher nur verneinende Aussagen, mit denen festgestellt wird, was das ĂŒberseiende Eine nicht ist. Mit solchen Aussagen nĂ€hert man sich dem Einen an, indem man alle Bestimmungen entfernt und damit unangemessene Vorstellungen ĂŒber das Absolute beseitigt. DafĂŒr verwendet Proklos den Ausdruck trĂłpos tēs aphairĂ©seƍs („Vorgehensweise des Entfernens“).cite-ref-44[44] Die Verneinungen sind nicht privativ („beraubend“) gemeint, das heißt, sie weisen nicht auf ein Fehlen von etwas hin. Sie sollen nur die BeschrĂ€nkungen aufheben, die sich aus positiven Bestimmungen immer ergeben. Damit erweisen sich die Verneinungen als produktiv; sie bringen den, der sie vornimmt, der Wahrheit nĂ€her.cite-ref-45[45] Eine solche AnnĂ€herung an die Wahrheit des Einen ist naturgemĂ€ĂŸ und wĂŒnschenswert, denn es entspricht der Natur des Niederen, nach dem Höheren zu streben und zu ihm aufzusteigen. Das Höhere erscheint dem Niederen als „gut“, und das Eine ist als erste Ursache das Höchste und somit aus menschlicher Sicht das Erstrebenswerteste, „das Gute“ schlechthin. Proklos drĂŒckt seine WertschĂ€tzung fĂŒr die Verneinung der Bestimmungen aus, indem er den Aufstieg des verneinenden Denkens zum einen in religiöser Sprache beschreibt; er sieht darin „einen einzigen theologischen Hymnus auf das Eine durch diese Verneinungen“.cite-ref-46[46] Fachsprachlich wird diese Herangehensweise als „negative Theologie“ bezeichnet.

Allerdings erweisen sich auch die Verneinungen als unzulĂ€nglich, auch sie können dem unsagbaren Absoluten letztlich nicht gerecht werden. Daher mĂŒssen auch sie verneint werden. Mit der „Negation der Negation“ wird eine weitere BeschrĂ€nkung aufgehoben, die sich aus der PolaritĂ€t des Denkens ergeben hat. Das Denken ĂŒbersteigt sich selbst, ĂŒberwindet seine PolaritĂ€t und schafft damit eine Voraussetzung fĂŒr das Erfassen von Einheit. Dieses Erfassen, das ein Erfahren ist, ist das Ziel des Philosophen. Das Eine ist erfahrbar, da in der Seele etwas Göttliches ist, das aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem Einen eine solche Erfahrung ermöglicht. Den Zugang zum „Einen selbst“ verschafft das „Eine in uns“, das die Seele in sich selbst findet. Die Voraussetzung dafĂŒr ist die aktive BemĂŒhung desjenigen, der die Hindernisse entfernt. Die Negation der Negation ist also keine RĂŒckkehr zum Ausgangspunkt nach Beseitigung eines Irrtums, sondern ein Voranschreiten in Richtung auf das Ziel.cite-ref-47[47]

Vermittlung und Zusammenhalt

FĂŒr das proklische Modell besteht eine Schwierigkeit in der Notwendigkeit zu erklĂ€ren, wie aus dem ĂŒberseienden Einen Seiendes hervorgehen kann und die absolute Transzendenz des Einen dennoch gewahrt bleibt. Eine unmittelbare Erzeugung von Seiendem durch das Eine wĂ€re mit der absoluten Transzendenz des höchsten Prinzips unvereinbar. Daher werden vermittelnde Instanzen benötigt, die zwar ĂŒberseiend, aber fĂŒr Seiendes partizipierbar sind. Diese Instanzen nennt Proklos „Henaden“ (Einheiten). Vermittelnd wirken außerdem die beiden Prinzipien des Begrenzenden und des Unbegrenzten, die dort, wo sie als Urprinzipien wirken, ebenfalls als ĂŒberseiend aufzufassen sind.cite-ref-48[48]

Das Problem der Vermittlung stellt sich aber nicht nur im Grenzbereich zwischen Transzendentem und Seiendem, sondern auch innerhalb des Bereichs des Seins. FĂŒr Proklos ist die Gesamtheit der seienden EntitĂ€ten ein Ganzes, dessen Bestandteile untereinander in vielfachem und engem Zusammenhang stehen, insbesondere in Ursache-Wirkung-Beziehungen. Da die Bestandteile von unterschiedlicher Natur sind, ist die ErklĂ€rung des Sachverhalts, dass sie trotz ihrer Verschiedenartigkeit zusammenhĂ€ngen können, eine der Hauptaufgaben der Philosophie. Benötigt wird eine Vermittlung, die eine Gemeinschaft (koinƍnĂ­a) zwischen zwei unterschiedlichen EntitĂ€ten oder Daseinsebenen ermöglicht. Es muss Faktoren geben, welche die Dinge zusammenfĂŒgen und zusammenhalten, indem sie zwischen ihnen vermitteln, den Gegensatz ĂŒberbrĂŒcken und so die Welt strukturieren. Vermittlung bewirkt, dass die Glieder eines seienden Ganzen aufeinander bezogen sind und eine Einheit bilden, aber dabei nicht ineinander aufgehen und ihre Unterschiedlichkeit einbĂŒĂŸen, sondern ihr je eigenes Wesen bewahren. Es muss GrĂŒnde dafĂŒr geben, dass in der Vielheit Einheit, in der Einheit Vielheit bestehen kann. Diese GrĂŒnde liegen nach der proklischen Theorie in der „triadischen Gestalt“ (schᾗma triadikĂłn) des Seienden, denn es ist die „Trias“ (Dreiheit), die ein „Zugleich“ von Einheit und Unterschiedenheit ermöglicht. Die Besonderheit der Dreiheit besteht darin, dass sie in sich Einheit und Zweiheit umfasst und selbst die „Mischung“ (miktĂłn) beider ist, womit das dritte Element hinzutritt. Sie ist also eine Einheit aus drei Elementen, bei denen es sich sowohl um drei Aspekte einer einzigen RealitĂ€t als auch um drei Teile eines Verursachungsprozesses handelt. Die Trias ist Einheit in der Differenz. Als Prinzip begrĂŒndet sie alles Sein und damit auch alles Denken: Da alles Seiende triadisch strukturiert ist, muss sich auch die Bewegung des Denkens, das dem Sein nachgeht, triadisch vollziehen. Diese Struktur zeigt sich in einer Vielzahl von Triaden. Dreiheiten sind ĂŒberall dort erkennbar, wo die Prinzipien der IdentitĂ€t und der Differenz zusammenwirken, wo sich Einheit entfaltet und damit Vielheit schafft und die Elemente der Vielheit zugleich in der Einheit gesammelt bleiben.cite-ref-49[49]

Ein Beispiel einer solchen Trias ist „pĂ©ras (Grenze, Abgrenzendes, Umschließendes), ĂĄpeiron (Unbegrenztes, Gestaltloses, Unbestimmtes), miktĂłn (Mischung [von Begrenzung und Grenzenlosem])“. Diese Trias geht durch alles Seiende hindurch und ist auch fĂŒr das Hervorgehen des Seienden aus dem Überseienden verantwortlich. Das Prinzip der Unbestimmtheit ist zeugende und gebĂ€rende „MĂ€chtigkeit“, es bringt Leben hervor; das Prinzip der Begrenzung konstituiert das „Etwas“ als solches, das Bestimmte, Abgegrenzte und damit Definierbare. Diese beiden Prinzipien gehören dort, wo ihnen die grĂ¶ĂŸte UrsprĂŒnglichkeit und UrsĂ€chlichkeit zukommt, dem Bereich des Überseienden an. Wenn sie als Urprinzipien zusammenwirken, entsteht ein „Gemischtes“, das dritte Element der Trias, und das ist das Sein. So erklĂ€rt diese Trias die kausale, ĂŒberzeitliche Erzeugung des Seins. Zu den weiteren Triaden zĂ€hlen „Seiendheit (Ousia), Selbigkeit, Andersheit“ und „Anfang, Mitte, Ende“.cite-ref-50[50]

Eine herausragende Sonderstellung nimmt die Trias „monᾗ (Verweilen, Verharren), prĂłodos (Hervorgang, Fortschreiten), epistrophᾗ (RĂŒckwendung, RĂŒckkehr)“ ein. Sie ist nicht eine Trias neben den anderen, sondern der allen anderen Triaden innewohnende und sie bewegende Grund. Die Einheit ihrer drei Elemente macht den Kern der proklischen ErklĂ€rung des Weltzusammenhangs aus; zugleich stellt diese Trias das Strukturprinzip des Geistes und des Denkens dar. Alles Geschehen ist fĂŒr Proklos zyklisch, und auch die ĂŒberzeitlichen ZusammenhĂ€nge beschreibt er metaphorisch, als wĂ€ren sie KreislĂ€ufe. Jede Wirkung ist ursprĂŒnglich in ihrer Ursache vorhanden. Sie tritt aus der Ursache heraus, schreitet von ihr fort und wendet sich aufgrund einer ihr innewohnenden Tendenz wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurĂŒck. Alle KausalzusammenhĂ€nge lassen sich im Rahmen dieser dynamischen triadischen Struktur beschreiben, und alle Prozesse setzen sich aus den drei Aspekten „Verharren in der Ursache“, „Hervorgang aus der Ursache“ und „RĂŒckkehr zur Ursache“ zusammen. Der Grund fĂŒr den Hervorgang ist die ĂŒberfließende „ÜberfĂŒlle an MĂ€chtigkeit“ der Ursache, der Grund fĂŒr die RĂŒckwendung ist das Streben des relativ Unvollkommenen nach grĂ¶ĂŸerer Vollkommenheit; im Hervorgang ist die RĂŒckkehr bereits angelegt, die Bewegung vollzieht sich im Kreis. So sind Ursachen und Wirkungen durch diese Trias eng verknĂŒpft, die vielgestaltige Welt kann als Ganzheit und untrennbare Einheit aufgefasst und erklĂ€rt werden.cite-ref-51[51]

Die geistige Welt

Unterhalb des Überseienden befindet sich in der hierarchischen Rangordnung die geistige Welt, in der die Vernunft, der Nous, waltet. Sie folgt in der Ursachenkette dem Überseienden und geht dem Seelischen und dem Materiellen voran. Die geistige Welt weist eine komplexe Struktur auf, die von mehreren Triaden bestimmt ist, und umfasst eine Reihe von metaphysischen EntitĂ€ten, die zugleich als Gottheiten aufgefasst werdencite-ref-52[52] und in Rangklassen eingeteilt sind. Bei der detaillierten Darstellung des Modells der geistigen Welt begrĂŒndet Proklos die einzelnen gedanklichen Schritte, die ihn zu seinen Annahmen gefĂŒhrt haben. Er legt Wert darauf, dem Leser die Notwendigkeit der Schritte einsichtig zu machen, damit der Aufbau seines komplexen GedankengebĂ€udes als logisch zwingend erscheint.cite-ref-53[53]

FĂŒr die Grundstruktur ist eine Trias verantwortlich, welche die geistige Welt in drei Hauptbereiche gliedert. Bezeichnungen wie „Bereich“ werden hier ohne rĂ€umliche Konnotation verwendet; sie sollen nur zur Unterscheidung von ontologisch „VorgĂ€ngigem“ und „Nachrangigem“ dienen, drĂŒcken also die Rangordnung aus.cite-ref-54[54] Die geistige Welt ist ĂŒberrĂ€umlich und ĂŒberzeitlich. Der höchste Bereich ist die StĂ€tte des intellektuell Erkannten, des noētĂłn. Dort befinden sich EntitĂ€ten, die fĂŒr andere geistige EntitĂ€ten Erkenntnisobjekte sind, aber selbst nicht als Erkennende auf geistige EntitĂ€ten anderer Bereiche ausgerichtet sind. Erkenntnis ist Partizipation; das Erkenntnisobjekt ist partizipiert, das Erkennende partizipierend. Der Vorrang der EntitĂ€ten des höchsten Bereichs ergibt sich daraus, dass sie von dem, was unter ihnen ist, erkannt und somit partizipiert werden, also diesbezĂŒglich ursĂ€chlich sind, selbst aber nicht innerhalb der geistigen Welt andere Bereiche partizipieren, also nicht von anderen geistigen EntitĂ€ten abhĂ€ngen. Das Erkenntnisobjekt ist dem Erkennenden prinzipiell ĂŒbergeordnet, da sich das Erkennende auf es ausrichtet und nicht umgekehrt. Das Erkannte ist Ursache, das Erkennende ist vom Erkannten verursacht und im Sinne des RĂŒckwendungsprinzips auf seine Ursache ausgerichtet, der es sich erkennend zuwendet. Daher nehmen die „erkannten“ EntitĂ€ten in der geistigen Welt den höchsten Rang ein; sie partizipieren nichts Geistiges, sondern nur das, was ĂŒber dem Geist ist, nĂ€mlich die ĂŒberseienden Henaden und Prinzipien, von denen sie das Sein empfangen. Der mittlere Bereich ist der des sowohl Erkannten als auch Erkennenden: Die dortigen Gottheiten erkennen das, was sich im höchsten Bereich befindet, und werden ihrerseits von dem ihnen Nachrangigen, im untersten Bereich Angesiedelten erkannt. Somit sind sie innerhalb der geistigen Welt sowohl partizipiert als auch partizipierend. Zuunterst befindet sich der Bereich des noerĂłn, des Erkennenden. Dort sind untergeordnete EntitĂ€ten, die als Gottheiten das ihnen VorgĂ€ngige erkennen, selbst aber nicht fĂŒr geistige EntitĂ€ten anderer Bereiche Gegenstand von Erkenntnis sind. FĂŒr das Erkannte ist in der Fachliteratur die Bezeichnung „intelligibel“, fĂŒr das Erkennende der Ausdruck „intellektuell“ gebrĂ€uchlich; wenn aber vom „intelligiblen Kosmos“ die Rede ist, ist die Gesamtheit der geistigen Welt gemeint.cite-ref-55[55]

Jeder der drei Hauptbereiche ist seinerseits triadisch gegliedert. Dadurch ergibt sich eine Struktur mit verschiedenen Ebenen. Als strukturierendes Prinzip fungiert die Trias „on/ousĂ­a (Seiendes/Sein), zƍᾗ (Leben), nous (Intellekt)“, deren Elemente in einem hierarchischen VerhĂ€ltnis zueinander stehen. FĂŒr die Rangordnung ist auch hier der Grundsatz maßgeblich, dass das UrsĂ€chliche und Partizipierte stets ĂŒber den Wirkungen und dem Partizipierenden steht. Das Ausmaß der UrsĂ€chlichkeit einer EntitĂ€t ist aus der Extension des zugehörigen PrĂ€dikats zu erschließen. Am ursĂ€chlichsten ist die universellste Ursache in der Welt des Seienden, also diejenige, der das PrĂ€dikat mit der grĂ¶ĂŸten Extension entspricht. Das ist das PrĂ€dikat „x ist“, denn am Sein hat alles Seiende Anteil. Das Sein ist also allem anderen vorgĂ€ngig. An zweiter Stelle folgt das Leben. Es steht ĂŒber dem Intellekt, denn alles, was am Intellekt teilhat, hat auch am Leben teil, aber nicht umgekehrt; also ist „Leben“ allgemeiner als „Intellekt“ und somit ursĂ€chlicher. Daraus folgt, dass der Intellekt den untersten Rang einnimmt. Die drei Elemente der Trias existieren aber nicht separat, sondern durchdringen einander: Im Sein finden sich Leben und Intellekt nach der Weise des Seins, im Leben Sein und Intellekt nach der Weise des Lebens und im Intellekt Sein und Leben nach der Weise des Intellekts.cite-ref-56[56]

Im höchsten Hauptbereich, dem des erkannten und keinen anderen Seinsbereich erkennenden Intelligiblen, strukturieren die beiden Triaden „Sein, Leben, Intellekt“ und „Grenze, Grenzenlosigkeit/Grenzenloses, Mischung von Grenze und Grenzenlosigkeit/Grenzenlosem“ gemeinsam. Daraus ergibt sich eine aus drei Triaden zusammengesetzte Trias, die intelligible Trias. Sie ist nach folgendem Schema aufgebaut:cite-ref-57[57]

‱ Die höchste Ebene, die Seinsebene, ist die der Trias „Grenze, Grenzenlosigkeit, intelligibles Sein“, wobei das intelligible Sein das aus den beiden anderen Elementen „Gemischte“ ist. Diese Ebene geht direkt aus dem Überseienden hervor. Hier dominiert in der Trias das Element Grenze, das heißt, die Mischung erfolgt „gemĂ€ĂŸ der Grenze“. Daher ist diese Ebene die höchste, denn das Element Grenze hat in der Trias den höchsten Rang und seine Dominanz erzeugt das höchste Mischungsprodukt, das Sein.
‱ Die mittlere Ebene, die Lebensebene, geht aus der höchsten hervor. Sie ist von der Trias „Grenze, Grenzenloses, intelligibles Leben“ bestimmt. Hier waltet das Grenzenlose als Urprinzip der „unbegrenzten WirkmĂ€chtigkeit“ (ĂĄpeiros dĂœnamis) und erzeugt durch seine Mischung mit dem Prinzip der Begrenzung das intelligible Leben. Da hier das Grenzenlose innerhalb der Trias dominiert, erfolgt die Mischung „gemĂ€ĂŸ dem Grenzenlosen“, dem mittleren Element der Trias. Daher ist diese Ebene die mittlere und ihr Mischungsprodukt ist das Leben, das in der Trias „Sein, Leben, Intellekt“ den mittleren Rang einnimmt.
‱ Die unterste Ebene, die Intellektebene, wird von der Trias „Grenze, Grenzenloses, intelligibler Intellekt“ bestimmt. Auch hier mischen sich Grenze und Grenzenloses, und diesmal entsteht aus ihrer Mischung der Intellekt des intelligiblen Bereichs. In diesem Fall ist bei der Mischung „das Gemischte“, das unterste Element der Trias „Grenze, Grenzenloses, Mischung beider“, der maßgebliche Faktor. Da gemĂ€ĂŸ dem untersten Element gemischt wird, kommt das unterste Mischungsprodukt zustande, und dem entspricht der Rang dieser Ebene.

Der mittlere Hauptbereich, die StÀtte der intelligiblen und zugleich intellektuellen EntitÀten, ist ebenfalls durch eine triadisch untergliederte Trias strukturiert. Die intelligible und zugleich intellektuelle Trias ist nach folgendem Schema gestaltet:cite-ref-58[58]

‱ Auf der höchsten Ebene wirkt die Trias „Sein, Leben, Intellekt“ ĂŒberwiegend auf die Weise des Seins, ihres höchsten Elements. Der intelligible Aspekt dominiert gegenĂŒber dem Intellektuellen, seine Merkmale prĂ€gen die Ebene in erster Linie.
‱ Auf der mittleren Ebene wirkt die Trias „Sein, Leben, Intellekt“ nach der Weise des Lebens, ihres mittleren Elements. Dabei sind der intelligible und der intellektuelle Aspekt gleich wirkmĂ€chtig.
‱ Auf der untersten Ebene wirkt die Trias „Sein, Leben, Intellekt“ ĂŒberwiegend auf die Weise des Intellekts. Durch die Vorherrschaft des Intellektuellen zeigt diese Ebene ihre NĂ€he zum unmittelbar nachgeordneten Hauptbereich, dem der intellektuellen EntitĂ€ten.

Der Hauptbereich des Intellektuellen weist ebenfalls drei Teile auf. Von diesen sind zwei dreifach untergliedert, der dritte besitzt nur ein einziges Element. Somit besteht der intellektuelle Bereich aus insgesamt sieben EntitÀten oder Gottheiten, er bildet eine Hebdomade (Siebenheit) mit folgenden drei Teilbereichen:cite-ref-59[59]

‱ Teilbereich der drei Gottheiten, die Proklos unter der Bezeichnung „intellektuelle VĂ€ter“ (noeroĂ­ patĂ©res) zusammenfasst. Es handelt sich um drei fĂŒr den Weltentstehungsmythos der griechischen Volksreligion zentrale Götter: Kronos, dessen Gattin Rhea und den Sohn dieses Paares, den Göttervater Zeus. Sie bilden eine hierarchisch geordnete Trias, in der Kronos als höchste intellektuelle Gottheit fĂŒr die Grenze, das Sein und den intelligiblen Aspekt des Intellektuellen steht, Rhea als lebenspendende Mutter fĂŒr das Leben und das wirkmĂ€chtige Unbegrenzte und Zeus als unterstes Element der Trias fĂŒr den „intellektuellen Intellekt“ (noerĂłs nous), den intellektuellen Aspekt innerhalb des intellektuellen Bereichs. Der unterste Rang, den Zeus einnimmt, entspricht der Stellung dieses Gottes im Mythos, wo er als Kind von Kronos und Rhea das von seinen Eltern Verursachte, das „Mischungsprodukt“ ist. Dennoch trĂ€gt auch Zeus einen intelligiblen Anteil in sich, da er sich selbst intellektuell erkennt, also fĂŒr sich selbst intelligibel ist. Kronos zĂ€hlt zwar im Gesamtrahmen der geistigen Welt zu den intellektuellen Gottheiten, aber aus der Sicht von Zeus ist er intelligibel. Hier zeigt sich besonders deutlich die gegenseitige Durchdringung der Elemente der Triaden. Eine schematische Darstellung der EntitĂ€ten der geistigen Welt kann somit nur eine Orientierungshilfe bieten, aber der KomplexitĂ€t des proklischen Modells nicht gerecht werden.
‱ Teilbereich der drei „unbefleckten WĂ€chter“, die in der mythischen Nomenklatur Kureten genannt werden. Diese drei Gottheiten stehen zwischen den intellektuellen VĂ€tern und dem nachgeordneten Bereich des Geschaffenen. Sie werden WĂ€chter genannt, weil sie die intellektuellen VĂ€ter „bewachen“. Damit ist gemeint, dass sie die VĂ€ter vor einem zu nahen Kontakt mit der Schöpfung bewahren. Dies ist erforderlich, da die VĂ€ter – insbesondere Zeus als Schöpfergott – sonst der Gefahr der Verunreinigung durch den Einfluss niedriger EntitĂ€ten ausgesetzt wĂ€ren.
‱ Teilbereich der siebten Gottheit. Dieser Teilbereich ist nicht untergliedert. Die Funktion der siebten Gottheit ist die Erzeugung der intellektuellen Unterscheidungen.

Sowohl im obersten als auch im untersten der drei Hauptbereiche der geistigen Welt spielt der Intellekt eine wichtige Rolle. Der Intellekt des obersten Bereichs ist der intelligible Intellekt. Er ist die Stufe der geistigen Welt, auf der sich das ursprĂŒnglich undifferenzierte Sein erstmals zu einer Vielheit entfaltet. Dies geschieht, indem sich das Sein in verschiedene platonische Ideen ausdifferenziert. Unter „Ideen“ versteht man im Platonismus real existierende, vollkommene und unverĂ€nderliche geistige EntitĂ€ten, die Urbilder, deren Abbilder die vergĂ€nglichen Sinnesobjekte sind. Sie sind die maßgeblichen Muster, die allem sinnlich Wahrnehmbaren Sein und Wesen verleihen. Im proklischen System sind die platonischen Ideen Gedanken des Intellekts, wobei sie nicht als Teile von ihm, sondern als seine Erzeugnisse aufgefasst werden.cite-ref-60[60]

Den intelligiblen Intellekt identifiziert Proklos mit dem vollkommenen Urlebewesen, das nach Platons Dialog Timaios das Vorbild ist, nach dem der Demiurg, der Schöpfergott, die Welt als beseelten Kosmos erschaffen hat. Der intellektuelle Intellekt ist im proklischen Modell Zeus, der mit dem Demiurgen des Timaios gleichgesetzt wird. Beide Intellekte bringen platonische Ideen hervor, jeder auf seine Art. Der intelligible Intellekt erzeugt die höheren, umfassenderen „intelligiblen Ideen“, die auf seiner Ebene auf intelligible Weise erscheinen. Der intellektuelle Intellekt ist der Erzeuger der untergeordneten, spezielleren, weniger wirkmĂ€chtigen „intellektuellen Ideen“; auf seiner Ebene sind alle Ideen auf intellektuelle Weise prĂ€sent.cite-ref-61[61]

Proklos verteidigt Platons Ideenlehre gegen die Kritik des Aristoteles und der Peripatetiker. Er meint, jede der vier dialektischen Methoden (Dihairesis, Definition, Analyse und Beweis) setze Ideen im Sinne der Ideenlehre voraus. Eingehend untersucht er die Frage, ob nicht nur den natĂŒrlichen, sondern auch den kĂŒnstlich erzeugten Objekten eigene platonische Ideen als Ursachen zugeordnet sind, und gelangt zum Ergebnis, dass solche Ideen nicht anzunehmen sind.cite-ref-62[62]

Die materielle Welt

Über den Ursprung der materiellen Welt hat sich Platon im Dialog Timaios ausfĂŒhrlich geĂ€ußert. Dennoch waren Grundfragen zu dieser Thematik unter den antiken Platonikern umstritten. Die Ungewissheit ergab sich daraus, dass die Erschaffung des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos in dem Dialog in mythischer Sprache geschildert wird und daher stark divergierende Interpretationen möglich sind, je nachdem ob einzelne Aussagen wörtlich genommen oder als Metaphern betrachtet werden. Im Mythos des Timaios werden die SchöpfungsvorgĂ€nge so beschrieben, dass der Eindruck entsteht, es sei ein Schöpfungsakt gemeint, der zu einer bestimmten Zeit stattgefunden habe. Demnach hat die sinnlich wahrnehmbare Welt vorher nicht existiert und ist den entstandenen, zeitabhĂ€ngigen Dingen zuzurechnen. Außerdem wird im Timaios behauptet, der Schöpfergott habe die Materie nicht geschaffen, sondern vorgefunden. Sie habe schon vor der Schöpfung existiert. Damals habe sie sich noch in einem Zustand chaotischer Bewegung befunden. Das Eingreifen des Schöpfers habe das Chaos beendet, und seither bestehe die aktuelle Ordnung des Weltalls.cite-ref-63[63]

FĂŒr eine wörtliche Deutung dieser Aussagen hatten sich die Mittelplatoniker Plutarch und Attikos ausgesprochen. Ihrem VerstĂ€ndnis zufolge hat die Welt tatsĂ€chlich einen zeitlichen Anfang, die Materie hingegen ist nicht nur im zeitlichen, sondern auch im kausalen Sinn unerschaffen; sie ist ebenso wie das Eine ein unerzeugtes Urprinzip. Attikos bekannte sich zu einem radikalen Dualismus. Nach seiner Lehre existieren die metaphysische Welt und die Materie unabhĂ€ngig voneinander und hatten vor dem Schöpfungsakt nichts miteinander zu tun. Erst durch die Schöpfung ist die Materie unter göttlichen Einfluss gekommen.cite-ref-64[64]

Die Neuplatoniker vertraten einhellig die gegenteilige Auffassung. Sie waren der Meinung, Platon habe die Weltschöpfung nur zum Zweck der Veranschaulichung wie einen zeitlichen Vorgang geschildert. In Wirklichkeit habe er eine ĂŒberzeitliche, nur als kausales VerhĂ€ltnis zu verstehende Hervorbringung der Weltordnung gemeint und den geordneten Kosmos fĂŒr immer bestehend gehalten.cite-ref-65[65] FĂŒr diese Interpretation des Timaios trat Proklos nachdrĂŒcklich ein. Unter anderem brachte er vor, ein guter Schöpfer mĂŒsse zu jeder Zeit das Bestmögliche wollen und tun, und das Beste sei nicht zeitlich variabel. Somit könne seine schöpferische TĂ€tigkeit nicht zeitlich begrenzt sein, wenn das Erschaffen das optimale Handeln sei. Eine Unterlassung des Erschaffens in einem bestimmten Zeitraum setze mangelnden Willen oder mangelnde FĂ€higkeit voraus. FĂŒr den Schöpfer komme aber keine dieser beiden Möglichkeiten in Betracht; die erste sei schon wegen seiner GĂŒte auszuschließen, die zweite wegen der Unwandelbarkeit seiner Natur.cite-ref-66[66] Hinsichtlich der Urmaterie lehrte Proklos, sie habe zwar ebenso wie die Weltordnung keinen Anfang in der Zeit, aber kausal sei sie erzeugt. Als konsequenter Monist fĂŒhrte er auch die Materie auf das Eine zurĂŒck. Nach seiner Argumentation kann es zwei unerzeugte, voneinander unabhĂ€ngige Prinzipien nicht geben. Wenn es sie gĂ€be, mĂŒssten sie zwei sein. Dies wĂŒrde aber voraussetzen, dass jedes von ihnen eines wĂ€re und somit an dem Einen teilnĂ€hme. Dann wĂ€re das Eine den beiden ĂŒbergeordnet; es wĂ€re ihr gemeinsames, von beiden partizipiertes Prinzip. Also wĂ€ren beide von etwas Höherem erzeugt.cite-ref-67[67]

In der Rangordnung des proklischen Weltmodells nimmt die Materie wie bei allen anderen Platonikern den untersten Rang ein. Das Materielle steht am Ende der Kausalkette und in der Hierarchie tief unter der geistigen Welt. Die Materie ist aber nicht nur von der nĂ€chsthöheren Stufe hervorgebracht, sondern von allen ihr vorangehenden Stufen und in erster Linie vom Einen. Vermittelnd wirken dabei wiederum die beiden Prinzipien der Begrenzung und der Unbegrenztheit. Die universale Urmaterie, die Proklos als „erste“ und „einfache“ Materie bezeichnet, ist absolut gestaltlos und undifferenziert; ihre Ursache ist das Prinzip der ĂŒberseienden Unbegrenztheit. Die Form, welche die an sich formlose Materie gestaltet und ihr eine bestimmte Struktur und Beschaffenheit verleiht, ist eine Manifestation des Prinzips Grenze. Aus dem Zusammenwirken, der „Mischung“ der beiden Prinzipien ergibt sich als „Gemischtes“ die Gesamtheit der sinnlich wahrnehmbaren Dinge. So ist fĂŒr Proklos die ĂŒberzeitliche Erschaffung der materiellen Welt zu verstehen.cite-ref-68[68]

Die Instanz, die den Schöpfungsprozess durchfĂŒhrt, ist der Demiurg. Er erschafft die materielle Welt in zwei „Stufen“, allerdings nicht im Sinne eines realen zeitlichen Ablaufs; die zeitliche Ausdrucksweise dient nur der Veranschaulichung. Die erste Stufe ist die „körperschaffende“, in der einfache Materie zu Körperlichem geformt wird. Das so erzeugte Körperliche identifiziert Proklos mit dem, was sich laut dem Timaios „vor“ der Schöpfung in einem Zustand ungeordneter Bewegung befand. Er schließt aus, dass es sich bei diesem chaotisch Bewegten um die gestaltlose Urmaterie handeln könne, denn Platon selbst bezeichne es als sichtbar, also mĂŒsse es eine Form haben. Die zweite Schöpfungsstufe ist nach der Timaios-Auslegung des Proklos die „ordnende“, in der das chaotische Körperliche beseelt wird. Das All erhĂ€lt eine Seele, die Weltseele, die seine Lenkung ĂŒbernimmt, die materiellen Dinge ordnet und das Physische auf den Nous, die Vernunft, ausrichtet. Dadurch erlangt die materielle Welt das ihr mögliche Maß an Vollkommenheit.cite-ref-69[69]

Die Materie wird von nichts partizipiert, ist aber zur Partizipation befĂ€higt; da sie gestaltlos ist, ist sie fĂŒr jede Gestaltung offen. Als Partizipierendes ist sie auf das von ihr Partizipierte ausgerichtet und fĂŒr das, was ihr von dort her zukommt, empfĂ€nglich. Daher wird ihr die Form und Ordnung, die sie empfangen kann, auch zuteil.cite-ref-70[70]

FĂŒr Proklos ergibt sich aus seinem SchöpfungsverstĂ€ndnis, dass die Existenz der Materie notwendig ist. Sie muss existieren, weil sie fĂŒr die VervollstĂ€ndigung des Alls benötigt wird. Zur VollstĂ€ndigkeit des Kosmos gehören auch die materiellen Formen, die als solche nur in Materie existieren können. VollstĂ€ndig muss der Kosmos sein, wenn er gut ist; gut muss er sein, da er einen guten Ursprung hat. Alles, was ist, geht aus dem Einen hervor, das Proklos mit dem schlechthin Guten gleichsetzt. Wenn das Gute die Ursache von allem ist, dann muss die Gesamtwirklichkeit ein optimal geordnetes Ganzes bilden, in dem jeder Teil das Ausmaß an Vollkommenheit verwirklicht, das auf seiner Ebene möglich ist. Das muss fĂŒr die gesamte hierarchische Ordnung der aus dem Guten hervorgegangenen EntitĂ€ten gelten, also auch fĂŒr die materielle, am weitesten vom Ursprung entfernte Ebene. Also muss die Materie die materiellen Formen aufnehmen, sie muss gestaltet und geordnet werden, und zwar nicht erst durch einen zeitlichen Akt, sondern ĂŒberzeitlich. Da die Schöpfung ĂŒberzeitlich ist, kommt Materie als konkrete RealitĂ€t immer nur geformt vor. Sie ist vom Demiurgen so gut wie möglich geordnet und weist daher immer die ihr zukommende Vollkommenheit auf.cite-ref-71[71]

Seele, Zeit und Ewigkeit

Das Seelische verortet Proklos in seiner Welthierarchie, wie im Neuplatonismus ĂŒblich, zwischen der geistigen und der materiellen Welt. Im Geist (Nous) sieht er den umfassenden Ursprung und Grund der Seele, der als bewahrendes Prinzip in ihr gegenwĂ€rtig ist. Die Seele erscheint ihm als der in anderer Dimension „wieder aufgenommene“ Nous. Sie ist auf abbildhafte Weise Geist, und ihre Gedanken sind Bilder der ursprĂŒnglichen Gedanken des Geistes. Im Geist sind Denken und Sein ungetrennt, zwischen ihnen besteht eine dynamische IdentitĂ€t. Denken, Gedanke und Gedachtes bilden eine wesenhafte Einheit. Das Sein der platonischen Idee ist im Geist der Gedanke. Anders verhĂ€lt es sich in der Seele: Dort ist das Denken seinem Objekt immer untergeordnet und empfĂ€ngt sein Maß von einem ihm vorgegebenen Sein. Daher muss das Denken der Seele den Übergang vom Gedanken zum Sein leisten. Es muss das im Geist Vereinte trennen und vom einen im Gedanken erfassten Sein zum anderen ĂŒbergehen. Die Seele denkt diskursiv. Dieser Vorgang zeigt sich in der Dihairesis, einer Methode der Klassifikation und Begriffsbestimmung, mit der man einen allgemeineren Begriff in Unterbegriffe unterteilt, bis man die Definition eines gesuchten Begriffs findet. Dabei geht die Seele so vor, dass sie jede Idee getrennt in sich sieht, nicht aber alle in einem Blick. WĂ€hrend der Geist alles als Eines denkt und im Einzelnen bereits das Ganze denkt, sieht die Seele alles als Einzelnes und kann nur im Nacheinander, durch jedes Einzelne hindurchgehend, das Ganze konstruieren. Im Geist sind alle GegensĂ€tze aufgehoben und eingefaltet, in der Seele sind sie entfaltet. Sie ist das entfaltete Sein des Geistes, der sich in ihr auseinanderlegt. Alles, was im Geist ineinander ist, ist in ihr gesondert. Proklos vergleicht die Seele mit einer immer beschriebenen „Schreibtafel des Geistes“. Sie ist nach der proklischen Lehre auf den Geist ausgerichtet und ĂŒbersteigt sich auf ihn hin, indem sie nach seiner Vollkommenheit strebt. Ihr Denken ist daher eine RĂŒckbewegung auf ihren Grund und Ursprung hin, an dem sie teilhat, indem sie denkt.cite-ref-72[72]

Der fundamentale Unterschied zwischen Geist und Seele besteht darin, dass der Geist ĂŒberzeitlich ist, wĂ€hrend die Seele als selbstbewegte Substanz in die Zeit verflochten ist. Der Geist ist der SphĂ€re des Ewigen zugeordnet, dem zeitlosen Jetzt des aiáč“n (der Ewigkeit im Sinne von Zeitlosigkeit oder Überzeitlichkeit). Die Seele ist zugleich ĂŒberzeitlich und zeitlich; sie hat ein zeitloses Sein, aber ein Wirken in der Zeit. Der zeitliche Aspekt ihrer Existenz ist fĂŒr die Seele konstitutiv; wenn es ihn nicht gĂ€be, wĂŒrde sie sich in nichts vom Nous unterscheiden.cite-ref-73[73]

FĂŒr Proklos ist die Zeit kein Akzidens, sondern eine Substanz (ousia). Wie alle Neuplatoniker hĂ€lt er sie fĂŒr anfangs- und endlos. Anderenfalls mĂŒsse eine Zeit ihrer Entstehung bzw. Auflösung angenommen werden, was widersinnig sei.cite-ref-74[74] Hinsichtlich der Natur der Zeit vertritt Proklos ein Konzept, mit dem er sich von der Auffassung Plotins distanziert. Nach Plotins Theorie darf man die Zeit nicht außerhalb der Seele annehmen; erst durch die Seele und mit ihr gibt es Zeit. FĂŒr Proklos hingegen grĂŒndet die Zeit in der ĂŒberzeitlichen Ewigkeit und ist deren Abbild. Sie ist jenseits der Seele und ihr ontologisch ĂŒbergeordnet und vermittelt zwischen Geist und Seele. Da es die Aufgabe der Seele ist, sich auf den Geist und damit auf die Ewigkeit auszurichten, strebt der Philosoph nach Überwindung der Zeit durch das Denken, das ihn in den Nous fĂŒhrt. Wenn man im philosophischen BemĂŒhen das Auge der Seele nach oben auf den Nous richtet und diese Haltung einĂŒbt, kann es geschehen, dass offenkundige Wahrheit in einem zeitlosen Jetzt aufleuchtet, in dem Zeit eliminiert ist.cite-ref-75[75]

Das Leben der Seelen wird im proklischen System als zyklischer Prozess gedeutet. Sie sind aus ihrer rein geistigen Heimat in die physische Welt hinabgestiegen, haben dort Körper angenommen und wenden sich dann wieder nach oben, ihrem Ursprung zu, um heimzukehren und sich mit dem Nous zu vereinigen. Sie vollziehen also eine Bewegung, die erst abwĂ€rts und dann aufwĂ€rts fĂŒhrt. Der Weg hinauf ist das Philosophieren, die Gewinnung philosophischer Erkenntnis. Damit ist die Erkenntnis des Überzeitlichen gemeint, die aus der Hinwendung zur geistigen Welt resultiert. Die philosophische BemĂŒhung zielt auf befreiende Reinigung von der Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit und EinĂŒbung in die Einfachheit durch Sammlung. Sie fĂŒhrt vom Schein der Meinung zur Gewissheit der Wahrheit, die sich in der geistigen Welt als solche offenbart. Die Seele strebt von Natur aus zum Nous, aber sie wird nicht nur von diesem Streben aufwĂ€rts geleitet; einen weiteren Antrieb erhĂ€lt sie von ihrer Sehnsucht nach dem Einen, dem Ursprung schlechthin, der fĂŒr die Seele zugleich das Gute schlechthin ist.cite-ref-76[76]

Der Aufstieg verwandelt zwar die Seele, macht sie frei, leicht und „geistartig“ und vergöttlicht sie sogar, aber zu einer absoluten IdentitĂ€t mit dem ĂŒberzeitlichen Geist oder gar dem Einen kann sie nie gelangen. Ihr Denken bleibt immer ein seelisches und der zeitliche Aspekt ihrer Existenz bleibt erhalten. Sie umkreist das Sein des Geistes mit einer Bewegung, die Proklos als Tanz beschreibt; dem Mittelpunkt des Kreises kann sie sich annĂ€hern, aber sie erreicht ihn nie. Selbst wenn es ihr gelingt, zum Einen zu gelangen und es zu berĂŒhren, löst sie sich nicht darin auf, sondern bleibt Seele. Ihre Kreisbewegung ist endlos; auf den Aufstieg folgt stets ein neuer Abstieg.cite-ref-77[77]

Mit seinen Überlegungen zum Auf- und Abstieg der Seelen orientiert sich Proklos weitgehend an den GrundzĂŒgen der herkömmlichen neuplatonischen Seelen- und Erlösungslehre, die Plotin als erster dargelegt hat. In einem wesentlichen Punkt widerspricht er Plotin aber nachdrĂŒcklich: Er lehnt dessen Behauptung ab, dass die Seele auch wĂ€hrend ihres Aufenthalts im menschlichen Körper stĂ€ndig zugleich mit ihrem obersten Teil in der geistigen Welt prĂ€sent bleibe. Nach der proklischen Seelenlehre bleibt beim Eintritt in die Körperwelt nichts „oben“; die Seele löst sich als Ganzes von der geistigen Welt und taucht in die Materie ein. Daher kann sie nicht aus eigener Kraft zurĂŒckkehren, sondern bedarf der Hilfe von außen. Somit ist sie auf die UnterstĂŒtzung von Göttern angewiesen. Bei ihrer RĂŒckwendung zu ihrem Ursprung spielt die Theurgie, ein rituelles Verfahren zur Herstellung einer Verbindung mit dem göttlichen Bereich, eine wichtige Rolle. In der von Proklos praktizierten philosophischen Lebensweise ergĂ€nzt eine hingebungsvolle theurgische Praxis die intensive denkerische Arbeit. Nach seiner EinschĂ€tzung ist die höchste Stufe der Theurgie „mĂ€chtiger als alle menschliche Weisheit und Wissenschaft“.cite-ref-78[78]

Hinsichtlich des konkreten theurgischen Vorgehens folgt Proklos einer Tradition, die ihm in den ChaldĂ€ischen Orakeln vorliegt. Er zeigt sich als begeisterter AnhĂ€nger der Lehren dieses von den spĂ€tantiken Neuplatonikern sehr geschĂ€tzten Werks. Weitere wesentliche Elemente des Zusammenwirkens mit den Göttern sind fĂŒr ihn Gebet und Hymnus. Sie fördern die Hinwendung zum Nous, sie verbinden den Geist der Götter mit den Worten des Betenden, Rezitierenden oder Singenden. Die Texte der Hymnen enthalten Symbole der Götter, die den Aufstieg der Seele unterstĂŒtzen. Mit der Hymnendichtung will Proklos nicht seine subjektive Frömmigkeit ausdrĂŒcken, sondern objektive Mittel zur VerfĂŒgung stellen, mit denen man sich der geistigen Welt als einer objektiven RealitĂ€t nĂ€hern kann.cite-ref-79[79] Somit ist das Dichten und Vortragen von Hymnen ein Ausdruck desselben Strebens, dem auch alle philosophischen BemĂŒhungen dienen. Allerdings besteht fĂŒr Proklos die höchste Form der Hinwendung zum Göttlichen nicht in Worten und Riten, sondern darin, dass man sich – wie es schon Platon forderte – der Gottheit angleicht.cite-ref-80[80] Die Bitten, die in Gebeten und Hymnen an die Götter gerichtet werden, haben nicht den Zweck, die Angesprochenen zu einem gewĂŒnschten Verhalten zu bewegen, denn wie alle Platoniker bekennt sich Proklos zu dem Grundsatz, dass die Götter nicht durch menschliche Bitten beeinflussbar sind. Vielmehr dienen die Bitten nur der Öffnung der Seele fĂŒr die erwĂŒnschte göttliche Einwirkung.cite-ref-81[81]

Wie alle Platoniker ĂŒbernimmt Proklos Platons Theorie der Beseelung der Welt.cite-ref-82[82] Dieser Lehre zufolge gibt es eine selbstbewegte Weltseele, welche die Ursache aller Bewegung in der Natur ist und die im Kosmos waltende Vernunft, den Nous, mit der Weltmaterie verbindet. Nach dem im Dialog Timaios erzĂ€hlten Mythos hat der Demiurg die Weltseele zusammen mit dem Kosmos erschaffen. Proklos wendet sich gegen die Auffassung des Aristoteles, wonach Platon die Weltseele zugleich als Denkvermögen und als ausgedehnte GrĂ¶ĂŸe beschrieben hat und das Denken der Seele mit der Kreisbewegung des Alls gleichgesetzt hat. Nach Proklos’ VerstĂ€ndnis ist Platons Weltseele und ihr Denken ausdehnungslos, und die Bewegung des Weltalls soll nur als Bild dienen, mit dem wesentliche Kennzeichen und Inhalte des seelischen Denkens auf eine körperliche Bewegung ĂŒbertragen werden. Damit verwirft Proklos die wörtliche Interpretation, die fĂŒr Aristoteles den Ausgangspunkt seiner Kritik am Timaios bildet.cite-ref-83[83]

Der seelische Bereich, der „Ort“ der Weltseele und der Seelen der sterblichen Lebewesen, ist auch die WirkensstĂ€tte von Göttern, die den Gottheiten der geistigen Welt untergeordnet sind. Zu ihnen zĂ€hlen Götter wie Poseidon, Hades, Artemis und Apollon, die aus der Mythologie als Geschwister und Nachkommen des Zeus bekannt sind.cite-ref-84[84]

Die Natur des Schlechten und die Notwendigkeit der Übel

Bei der Untersuchung des Schlechten und der Übel (kakĂĄ) setzt sich Proklos mit der Schlechtigkeitstheorie Plotins auseinander. Plotin identifiziert das Schlechte mit der Materie. Unter Materie versteht er das absolut Gestaltlose und Eigenschaftslose, das den physischen Objekten, denen ihre Formen Eigenschaften verleihen, zugrunde liegt. Die absolute Schlechtigkeit der ungeformten, ganz und gar „armen“ Urmaterie besteht fĂŒr Plotin darin, dass sie ihrem Wesen nach gar nichts hat, also in keiner Weise am Guten teilhat. Die Materie als solche ist das „erste Schlechte“, das an sich Schlechte. Sie ist das Prinzip aller Übel, und die einzelnen Übel sind schlecht, insoweit sie an diesem Prinzip teilhaben. Somit hat jedes Übel seine Ursache in der Materie. Beispielsweise lĂ€sst sich bei den Seelen das Schlechte darauf zurĂŒckfĂŒhren, dass sie in die Materie gefallen sind und sich ihr angeglichen haben.cite-ref-85[85]

Proklos bekĂ€mpft die Gleichsetzung des Schlechten mit der Materie, indem er zu zeigen versucht, dass diese These in ein auswegloses Dilemma fĂŒhre. Sein Gedankengang ist: Alles ist entweder Prinzip oder Erzeugnis eines Prinzips. Wenn die Materie als solche schlecht ist, stellt sich die Frage nach dem Prinzip dieser Schlechtigkeit. Es bestehen dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Schlechte ein eigenstĂ€ndiges, in der Materie liegendes Prinzip, oder nur das Gute und Eine ist Prinzip und die schlechte Materie ist wie alles andere aus ihm hervorgegangen. Die zweite Annahme ist widersinnig: Da die GrundsĂ€tze gelten, dass jede Ursache das in höherem Grade ist, was ihr Erzeugnis ist, und dass sich jedes Erzeugnis seiner Ursache angleicht, mĂŒsste das Gute als Ursache des ersten Schlechten in höherem Grade schlecht sein als dieses, und das erste Schlechte mĂŒsste aufgrund seiner Teilhabe an einer guten Ursache durch Angleichung gut werden. Die andere Möglichkeit – das Schlechte als Prinzip – fĂŒhrt zum Dualismus, zur Annahme zweier gegensĂ€tzlicher, voneinander unabhĂ€ngiger Prinzipien, die miteinander kĂ€mpfen. Dann besteht eine DualitĂ€t zweier eigenstĂ€ndiger Urprinzipien, des Guten (Einen) und des Schlechten. Das ist jedoch unmöglich, denn eine solche Zweiheit setzt eine den beiden Prinzipien, die Einheiten sind, ĂŒbergeordnete Ur-Einheit voraus, und dann ist das Schlechte kein Urprinzip, sondern von derselben Ursache erzeugt wie das Gute. Aus der Widerlegung beider Möglichkeiten folgt fĂŒr Proklos: Es gibt nur ein Urprinzip, das Eine, das fĂŒr den Menschen das schlechthin Gute ist und auf das sich auch die Materie zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst. Das Schlechte kann kein Prinzip sein und die Materie kann nicht schlecht sein.cite-ref-86[86]

Aufgrund dieser und anderer Überlegungen gelangt Proklos zu einem anderen VerstĂ€ndnis des Schlechten und der Übel als Plotin. Er bestreitet die Existenz eines an sich Schlechten, welches das Gegenteil des absolut Guten wĂ€re, und hĂ€lt alle Übel fĂŒr relativ. Den Umstand, dass es ĂŒberhaupt Schlechtes gibt, hĂ€lt er fĂŒr das Resultat einer logischen Notwendigkeit. Diese ergibt sich fĂŒr ihn daraus, dass zwei Arten der Teilnahme am Guten möglich sind: die ewige, unverĂ€nderliche und vollkommene im Bereich des Überzeitlichen und die vorlĂ€ufige, wandelbare und zwangslĂ€ufig beschrĂ€nkte in der Zeitlichkeit. Eine beschrĂ€nkte Teilnahme ist als solche unvollkommen. Damit stellt sie eine Art „Beraubung“ dar, denn die so teilnehmende EntitĂ€t ist partiell eines Gutes beraubt, das sie vollstĂ€ndig hĂ€tte, wenn die der Zeitlichkeit inhĂ€renten BeschrĂ€nkungen dem nicht entgegenstĂŒnden. Jedes Übel ist das Gegenteil eines bestimmten Gutes und besteht in dem durch die Zeitlichkeit bedingten partiellen Mangel dieses Gutes. Das absolut Gute hingegen, aus dem alles hervorgeht, kann kein derartiges Gegenteil haben. Ihm kann nichts entgegengesetzt sein.cite-ref-87[87]

Da alles Seiende seinen Ursprung im Guten hat, muss das Schlechte als etwas Nichtseiendes betrachtet werden. Die einzelnen Übel sind Manifestationen von Nichtseiendem. Konkret handelt es sich jeweils um eine bestimmte Störung der naturgemĂ€ĂŸen Ordnung, ein teilweises, zeitweiliges Nichtvorhandensein der Ordnung. Einen einzigen, gemeinsamen Ursprung der Übel kann es nicht geben, denn ein solcher mĂŒsste entweder ein erstes Prinzip oder eine Form oder eine Seele sein, doch fĂŒr jeden dieser drei theoretisch möglichen UrsprĂŒnge ist von Natur aus eine Verursachung von Übeln ausgeschlossen. Die Übel bilden keine Einheit, sie stehen im Widerspruch zueinander und haben viele verschiedenartige Ursachen.cite-ref-88[88]

Da es nichts absolut Schlechtes gibt, sind die Übel dem Guten nicht absolut entgegengesetzt; vielmehr haben sie einen gewissen Anteil an ihm. Alles Schlechte muss mit Gutem vermischt sein. Wenn das Schlechte in der bloßen Abwesenheit des Guten bestĂŒnde, wĂ€re es rein passiv und könnte nicht agieren. Die Übel verfĂŒgen aber ĂŒber eine eigene Kraft und BefĂ€higung, mit der sie sich dem Guten widersetzen. Diese FĂ€higkeit verdanken sie demjenigen Guten, das auch in ihnen anwesend ist. Ohne die PrĂ€senz dieses Guten könnten sie keinerlei Wirkungen haben.cite-ref-89[89]

Betrachtet man die Natur als Ganzes, so ist die Möglichkeit der Existenz des Schlechten in ihr auszuschließen, denn die Natur ist direkt auf das Prinzip des Guten zurĂŒckzufĂŒhren und daher fĂŒr das Schlechte unempfĂ€nglich; sie ist rundum gut. Übel können nicht die Natur selbst befallen, sondern nur einzelne materielle Körper und die an diese Körper gebundenen Seelen. Im Körper zeigen sich die Übel als HĂ€sslichkeit oder Krankheit, in der Seele als SchwĂ€che, als Nachlassen der vereinheitlichenden Kraft, die fĂŒr das richtige, naturgemĂ€ĂŸe VerhĂ€ltnis der Seelenteile sorgen mĂŒsste. Seelische Übel sind im Allgemeinen grĂ¶ĂŸer als körperliche. Sie entstehen, wenn der rationale Seelenteil seine Lenkungsfunktion nicht mehr so ausĂŒbt, wie es erforderlich wĂ€re. Auch hier erweist sich das Übel als Störung der Ordnung. Schlechtes wird von der Seele nie als solches gewĂ€hlt, sondern als vermeintlich Gutes.cite-ref-90[90]

Vorsehung und menschlicher Wille

Nach der Überzeugung des Proklos lenkt die göttliche Vorsehung das Weltall und jedes einzelne Individuum. Dies geschieht aber nicht durch willkĂŒrliche Akte der Gottheit, sondern aufgrund einer Naturgegebenheit. Es kann nicht anders sein, denn alles Seiende ist von Natur aus ein Bestandteil der Weltordnung, die das Produkt des Einen ist. Die Vorsehung grĂŒndet im Einen und kann mit dessen Einfluss auf das Seiende gleichgesetzt werden. Zwar ist der Abstand zwischen der Ebene des Einen und derjenigen der irdischen Dinge groß, doch hemmt die Distanz die Wirkmacht nicht. Vielmehr gilt der Grundsatz: Je höher und damit machtvoller eine Wirklichkeitsebene ist, desto tiefer reichen ihre Wirkungen hinab. Beispielsweise wirkt das Seelische nur auf die Ebene der Lebewesen ein, wĂ€hrend der Nous als höhere Hypostase auch das Unbelebte, dem er Form verleiht, zu gestalten vermag. Nichts ist machtvoller als das durch die Götter vermittelte Wirken des Einen, das die gesamte Wirklichkeit durchdringt.cite-ref-91[91] Der metaphysische „Ort“, von dem aus die Vorsehung auf die Bereiche unterhalb der geistigen Welt einwirkt, ist der intellektuelle Bereich der geistigen Welt.cite-ref-92[92] Alle Götter ĂŒben Vorsehung aus, und unterhalb der göttlichen Ebene sind Wesen wie Daimonen und Heroen, die auch am Wirken der Vorsehung beteiligt sind.cite-ref-93[93]

Da das Eine fĂŒr das Seiende das schlechthin Gute ist, kann die Vorsehung nichts anderes anstreben und verwirklichen als das jeweils Bestmögliche. Hier stellt sich fĂŒr Proklos das Problem der Vereinbarkeit der Vorsehung mit der Existenz der Übel. Er prĂŒft zwei LösungsansĂ€tze, die den Gedanken der Vorsehung mit dem Konzept eines metaphysischen Guten verbinden. Der eine basiert auf der Annahme, dass der Einfluss der Vorsehung nur bis zur MondsphĂ€re hinabreiche und auf den „sublunaren“ Bereich (alles, was unterhalb des Mondes ist) nicht einwirke. Die Übel seien real, aber auf den sublunaren Bereich beschrĂ€nkt. Die zweite Lösungshypothese lautet, dass die Vorsehung alles optimal lenke und es daher nichts wirklich Schlechtes gebe. Proklos verwirft beide AnsĂ€tze als unbefriedigend.cite-ref-94[94] Ein weiteres Konzept, das er untersucht, steht in weit schĂ€rferem Gegensatz zu seiner Philosophie als diese beiden. Dabei handelt es sich um einen mechanistischen Determinismus. Dieser Position zufolge ist der Kosmos eine Maschine, die ethisch indifferenten Naturgesetzen folgt. Gesichertes philosophisches Wissen ist nicht erreichbar; die Vorstellung der Willensfreiheit ist eine Illusion; das Gute ist keine objektive RealitĂ€t, sondern ein Konstrukt des Menschen, das auf willkĂŒrlichen, kulturabhĂ€ngigen Konventionen basiert und Ausdruck des Luststrebens ist. Proklos geht auf einige Argumente ein, die ein Vertreter dieser Weltanschauung vorgebracht hat. Insbesondere widerspricht er der Behauptung, dass eine göttliche, ĂŒberzeitliche Kenntnis des KĂŒnftigen nicht nur die menschliche Willensfreiheit, sondern jede Möglichkeit nichtnotwendiger Ereignisse ausschließe.cite-ref-95[95]

Proklos unterscheidet – hier einem stoischen Konzept folgend – zwischen natĂŒrlichen Übeln, die vom menschlichen Willen unabhĂ€ngig sind, wie Armut, Krankheit und Tod, und Übeln, die Ergebnisse einer freien Wahl des Menschen sind. Die natĂŒrlichen Übel hĂ€lt er nicht fĂŒr wirklich schlecht, denn sie seien nur eine unvermeidliche Folge der guten und notwendigen Existenz einer Welt der fließenden Zeit. Wo es ein Werden in der Zeit gebe, da mĂŒsse sich auch ein Prozess des Vergehens abspielen; das Verderben eines einzelnen Körpers bedeute die Entstehung eines anderen. Das sei um des endlosen Kreislaufs willen erforderlich, der in einer Welt des zeitlichen Nacheinander stattfinden mĂŒsse. Daher sei das Verderben der Körper unter dem Blickwinkel des Ganzen nicht schlecht, und das sei der hier maßgebliche Gesichtspunkt. Es sei mit dem Wirken der Vorsehung im Einklang. Wirklich schlecht sei nur das ethisch Schlechte, das heißt die Übel der einzelnen Seelen. Diese seien aber keine Wirkungen der Vorsehung, sondern Resultate einer in den Seelen auftretenden SchwĂ€che.cite-ref-96[96]

Nach dem proklischen Modell bedeutet die Lenkung der Welt durch die Vorsehung keinen vollstĂ€ndigen Determinismus aller AblĂ€ufe. Es gibt auch etwas, was nicht von der Vorsehung, sondern „von uns“ abhĂ€ngt. Eine SelbstmĂ€chtigkeit der Seele muss angenommen werden. Diese Annahme ergibt sich aus dem Grundsatz, dass die vernĂŒnftig agierende Natur nichts vergeblich macht. WĂ€re alles Seelische restlos von der Vorsehung determiniert, so wĂ€re die menschliche FĂ€higkeit zur Überlegung und Entscheidungsfindung, deren BetĂ€tigung eine Wahlmöglichkeit voraussetzt, ĂŒberflĂŒssig. Dann hĂ€tte die Natur den Menschen nicht mit dieser FĂ€higkeit ausgestattet. Ein weiteres Argument lautet: Wenn alles determiniert ist, ist auch die Entstehung der Behauptung „Nicht alles ist determiniert“ von der absoluten Notwendigkeit bestimmt. Das bedeutet, dass die absolute Notwendigkeit als Ursache bei den Verursachten eine Bewegung – nĂ€mlich eine Behauptung gegen die absolute Notwendigkeit – erzeugt, die sich derjenigen Bewegung, die von der eigenen Natur der Ursache bewirkt ist, entgegensetzt. FĂŒr Proklos ist die Annahme, dass eine Ursache etwas ihrer eigenen Natur Entgegengesetztes erzeugt, widersinnig. Daraus folgt, dass die Seele einen nicht von der Vorsehung determinierten Willen hat. Sie kann echte Wahlentscheidungen treffen und dabei aus SchwĂ€che versagen.cite-ref-97[97]

Philosophische Bewertung der Dichtkunst

Auch im Umgang mit der Dichtung war das Anliegen des Proklos philosophisch und religiös. Er hielt Dichter wie Homer und Hesiod fĂŒr göttlich inspiriert und betrachtete die ChaldĂ€ischen Orakel als authentische Offenbarungen von Göttern. Bei der Homer-Auslegung verfuhr er mit Vorliebe nach dem Prinzip der Allegorese. Den aus philosophischer Sicht anstĂ¶ĂŸigen Schilderungen des Verhaltens der Götter bei Homer versuchte er einen fĂŒr Platoniker einleuchtenden Sinn zu geben, indem er dem Dichter eine verborgene didaktische Absicht unterstellte.cite-ref-98[98]

Ein Problem stellte fĂŒr den begeisterten Homer-Verehrer Proklos die prinzipielle Kritik Platons an der Dichtkunst dar. Er löste es, indem er geltend machte, Platon verwerfe nur die nachahmende Dichtkunst, welche die niedrigste Art von Poesie sei. Bei Homer spiele jedoch die Nachahmung nur eine untergeordnete Rolle; in erster Linie sei er göttlich inspiriert und seine Dichtung sei geeignet, die Seele mit der Welt der immateriellen Ursachen zu verbinden. Dann trete die eigene, niedere Natur des Menschen zurĂŒck, die Seele werde von der Gottheit erfĂŒllt und erreiche so eine Vereinigung mit ihr.cite-ref-99[99]

Damit wies Proklos der homerischen Dichtung eine wichtige Aufgabe im Rahmen der metaphysischen Bestrebungen des Neuplatonismus zu. Eingehend bemĂŒhte er sich um eine Harmonisierung Platons und Homers.cite-ref-100[100] Die Grundlage seines Harmonisierungswillens war seine Überzeugung, die göttlich inspirierten Dichter wie Homer, Hesiod, Orpheus und Pindar seien Theologen und verkĂŒndeten die wahre Lehre von den höchsten Prinzipien. Die Unterweisung, die sie den Menschen böten, sei ebenso korrekt wie die Platons, nur verwendeten sie eine andere Darstellungsweise als der Philosoph. Durch allegorische Interpretation der Dichtung könne deren verborgener Sinn gefunden werden; dann zeige sich die Übereinstimmung der poetischen Botschaft mit den philosophischen Erkenntnissen.cite-ref-101[101]

Mathematisierung der Philosophie

Die hohe WertschĂ€tzung der Platoniker fĂŒr die Mathematik, die auf Platon selbst zurĂŒckging, war bei Proklos besonders ausgeprĂ€gt. In seinem Euklidkommentar behauptete er, dass ausnahmslos alle Zweige des menschlichen Denkens mathematisierbar seien, darunter auch die Theologie (Metaphysik). Eine Konsequenz dieser Annahme war, dass in seiner Philosophie metaphysische Aussagen die UnerschĂŒtterlichkeit von SĂ€tzen der Mathematik erlangten. Nach seiner Überzeugung ermöglicht die Mathematisierung eine Durchdringung aller Wissensgebiete: So wie die Mathematik auf physikalischem Gebiet die Berechnung der Planetenbahnen ermöglicht, lĂ€sst sich in der Staatskunde der gĂŒnstigste Moment fĂŒr eine politische Aktion berechnen. Auch den Gesetzen der Ethik und der Rhetorik liegen mathematische Gegebenheiten zugrunde; in der Dichtkunst beruhen die Gesetze der Metrik auf bestimmten Proportionen. So erweist sich fĂŒr Proklos ĂŒberall die Macht der Mathematik; sie „reinigt das Denken“, „befreit uns von den Fesseln des Irrationalen“ und beschenkt die Seele, indem sie sie zum rein Geistigen hinleitet, „mit einem Leben der GlĂŒckseligkeit“.cite-ref-102[102] Allerdings ist Proklos nicht der Ansicht, physikalische PhĂ€nomene seien restlos auf mathematische Gegebenheiten reduzierbar. Er betont, dass sich mathematische Genauigkeit und Sicherheit in der Naturphilosophie nicht erreichen lasse und dass Sinnesobjekte etwas anderes seien als mathematische Objekte. Sie seien durch eine gewisse UnschĂ€rfe und InstabilitĂ€t charakterisiert, die ihrer mathematischen Erfassbarkeit Grenzen setze.cite-ref-103[103]

Astronomie

FĂŒr das neuplatonische Weltbild, das auf der Vorstellung eines optimal geordneten Kosmos basierte, stellte die UnregelmĂ€ĂŸigkeit der von der Erde aus beobachteten Planetenbewegungen eine Herausforderung dar. Den kosmologischen Rahmen bildete das in der SpĂ€tantike allgemein akzeptierte geozentrische Modell des Astronomen Ptolemaios, dem zufolge sich die Erde in der Mitte des Weltalls befindet und von allen anderen Himmelskörpern umkreist wird. Dieses System erforderte die Annahme von Nebenbewegungen der Planeten neben ihrer Hauptbewegung um den Weltmittelpunkt. Zur ErklĂ€rung der Nebenbewegungen diente die Epizykeltheorie, die mittels komplizierter Berechnungen Theorie und Empirie in Einklang bringen sollte. Zu dieser Problematik Ă€ußerte sich Proklos in seinem Kommentar zu Platons naturphilosophischem Dialog Timaios, den er im Alter von 27 Jahren schrieb, und in seiner Kurzen Darstellung astronomischer Hypothesen. Er drĂŒckte seine Unzufriedenheit mit den mathematischen Konstruktionen aus, die das ptolemĂ€ische Modell zur ErklĂ€rung der Planetenbewegungen benötigte. Die Astronomen waren gezwungen, zwecks BerĂŒcksichtigung zusĂ€tzlicher Beobachtungen ihre Konstruktionen dem jeweiligen empirischen Befund anzupassen. Aus dieser Sachlage folgerte Proklos, dass die Astronomie keine exakte Wissenschaft sei. Seine eigene ErklĂ€rung fĂŒr die beobachtete Ungleichförmigkeit der Planetenbewegungen lautete, dass nur die Ă€ußerste HimmelssphĂ€re, der Fixsternhimmel, eine völlig gleichförmige und damit perfekte Bewegung aufweise. Als Gegenpol dazu betrachtete Proklos die völlig irregulĂ€ren, willkĂŒrlichen, chaotischen Bewegungen von Objekten auf der Erde. Den geordneten, aber nicht gleichförmigen Planetenbewegungen wies er eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Extremen zu.cite-ref-104[104]

Proklos verwarf das verbreitete Modell starrer „SphĂ€ren“, dem zufolge die Gestirne an durchsichtigen, konzentrisch um die Weltmitte angeordneten, sich gleichförmig drehenden Hohlkugeln befestigt sind. Er akzeptierte die Existenz der SphĂ€ren, betrachtete sie aber nicht als feste Körper, sondern als RĂ€ume von spezifischer Konsistenz mit einem materiellen und einem immateriellen Aspekt. Damit entfiel fĂŒr ihn die physische Funktion, die man ihnen zuzuweisen pflegte.cite-ref-105[105]

Rezeption

Antike

Proklos’ SchĂŒler Marinos von Neapolis wĂŒrdigte seinen Lehrer in dem Nachruf Proklos oder Über das GlĂŒck, den er im Jahr 486 als Rede zum ersten Jahrestag des Todes des Scholarchen vortrug. Der Text ist erhalten geblieben. In der viele Einzelheiten ĂŒberliefernden Rede verherrlichte Marinos die Tugenden und Leistungen seines Lehrers. Sein Werk wird in der modernen Fachliteratur als Vita Procli (Leben des Proklos) zitiert und ist die Hauptquelle fĂŒr die Biographie des Philosophen. Wie schon der Alternativtitel der Rede zeigt, war es das Anliegen des Marinos, das Leben des Proklos als besonders glĂŒcklich zu erweisen. Er sei unter den berĂŒhmten MĂ€nnern der glĂŒcklichste seit langem gewesen, weil er sich in den Tugenden vervollkommnet habe. Nicht nur das GlĂŒck der Weisen – die Eudaimonie – sei ihm zuteilgeworden, sondern auch mit den nebensĂ€chlichen „Àußeren“ GĂŒtern – gĂŒnstigen LebensumstĂ€nden – sei er reichlich gesegnet gewesen. Marinos rĂ€umte ein, dass Proklos zu heftigen Reaktionen geneigt habe, wenn er auf Pflichtvergessenheit gestoßen sei. Daher habe man den Eindruck gewinnen können, er sei jĂ€hzornig. In Wirklichkeit sei er aber imstande gewesen, sein leidenschaftliches Temperament mĂŒhelos zu beherrschen.cite-ref-106[106]

Der Einfluss des Proklos prĂ€gte die letzte Phase der neuplatonischen Schule in Athen, die nach seinem Tod noch einige Jahrzehnte fortbestand, bis Kaiser Justinian I. im Jahr 529 den Lehrbetrieb untersagte. Seine zahlreichen SchĂŒler sorgten fĂŒr die weitere Verbreitung seines Gedankenguts, seine Meinung hatte bei den Neuplatonikern Gewicht. Von seinem hohen Ansehen auch außerhalb Griechenlands zeugen die Worte seines SchĂŒlers Ammonios Hermeiou, der in Alexandria Philosophieunterricht erteilte. Ammonios befand, sein „göttlicher Lehrer“ Proklos habe sowohl als Ausleger des ĂŒberlieferten Lehrguts als auch mit seiner wissenschaftlichen Ermittlung der Natur der seienden Dinge den Gipfel dessen erreicht, was ein Mensch leisten könne.cite-ref-107[107] Allerdings stießen manche Thesen des Proklos in der letzten Generation der Athener Neuplatoniker auf Widerspruch: Damaskios († nach 538), der letzte Leiter der Athener Philosophenschule, setzte sich grĂŒndlich und kritisch mit dem proklischen System auseinander und verwarf einen großen Teil der Lehrmeinungen seines VorgĂ€ngers.cite-ref-108[108]

Stark von der Philosophie des Proklos geprĂ€gt sind die Schriften eines griechischsprachigen christlichen Theologen, der im spĂ€ten 5. oder frĂŒhen 6. Jahrhundert tĂ€tig war, aber als Schriftsteller den Eindruck zu erwecken versuchte, er sei Dionysius Areopagita, ein in der Apostelgeschichte erwĂ€hnter SchĂŒler des Apostels Paulus. Heute wird dieser unbekannte Autor Pseudo-Dionysius Areopagita („der angebliche Dionysius Areopagita“) genannt. Seine vermeintliche IdentitĂ€t mit dem ApostelschĂŒler verschaffte seinen im „Corpus Dionysiacum“ zusammengestellten Werken eine außerordentliche AutoritĂ€t. Dies fĂŒhrte im Mittelalter zu einer intensiven Rezeption des darin enthaltenen proklischen Gedankenguts. Pseudo-Dionysius adaptierte das System des Proklos fĂŒr seine Zwecke. Dabei knĂŒpfte er insbesondere an das Konzept der „negativen Theologie“ an. In seiner Lehre vom Übel ist der Einfluss des paganen Denkers besonders deutlich erkennbar.cite-ref-109[109]

Ein philosophischer Gegner des Proklos war der Theologe Johannes Philoponos. Er verfasste im Jahr 529 eine Abhandlung, in der er mit philosophischen Argumenten fĂŒr die Entstehung des Kosmos in der Zeit eintrat und Proklos eine falsche Auslegung von Platons Timaios vorwarf.cite-ref-110[110]

Mittelalter

FrĂŒh- und Hochmittelalter

Im frĂŒhen und hohen Mittelalter standen den lateinischsprachigen Gelehrten West- und Mitteleuropas keine Übersetzungen der Hauptwerke des Proklos zur VerfĂŒgung. Daher machte sich sein Einfluss anfangs nur auf indirektem Weg geltend, vor allem durch die Werke des Pseudo-Dionysius Areopagita, die ab dem 9. Jahrhundert in lateinischer Sprache verbreitet waren und in hohem Ansehen standen. Ab dem spĂ€ten 12. Jahrhundert kam der Liber de causis (Buch ĂŒber die Ursachen) hinzu, die von Gerhard von Cremona angefertigte lateinische Übersetzung der arabischen Abhandlung ĂŒber das reine Gute. Diese Schrift, die hauptsĂ€chlich Material aus Proklos’ Grundlagen der Theologie enthielt, wurde irrtĂŒmlich Aristoteles zugeschrieben und fand als Lehrbuch starke Verbreitung.cite-ref-111[111]

Das erste Werk des Proklos, das im Westen durch eine lateinische Übersetzung zugĂ€nglich wurde, war die Elementatio physica. Der Übersetzer, der an der Schule von Salerno Medizin studierte, hatte erfahren, dass der Gelehrte Henricus Aristippus, der als Gesandter des normannischen Königs von Sizilien in Konstantinopel gewesen war, von dieser Reise eine griechische Handschrift des Almagest mitgebracht hatte. Daraufhin machte er sich auf den Weg nach Sizilien, wo er Aristippus antraf und Einblick in einige Codices erhielt, die der byzantinische Kaiser dem sizilischen Gesandten ĂŒbergeben hatte. Unter diesen war eine Abschrift der Elementatio physica, die der Übersetzer um die Mitte des 12. Jahrhundertscite-ref-112[112] ins Lateinische ĂŒbertrug. Die QualitĂ€t seiner Übersetzung wurde durch die Mangelhaftigkeit seiner Griechischkenntnisse und Fehler in seiner Vorlage beeintrĂ€chtigt.cite-ref-113[113]

SpÀtmittelalter

Einer breiteren gebildeten Öffentlichkeit wurde der Name des Proklos erst bekannt, als in der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts Wilhelm von Moerbeke einige seiner Hauptwerke ins Lateinische ĂŒbersetzte. Die erste und im Mittelalter weitaus wichtigste Übersetzung Moerbekes war die der Grundlagen der Theologie, die er 1268 abschloss. Er bemĂŒhte sich, den griechischen Text mit grĂ¶ĂŸtmöglicher Wörtlichkeit wiederzugeben. 1280 ĂŒbersetzte er die „drei kleinen Werke“ (Über zehn die Vorsehung betreffende Zweifelsfragen, Über die Vorsehung und das Schicksal und das, was an uns liegt, Über die Beschaffenheit der Übel). Auch den Timaios-Kommentar ĂŒbertrug er wohl vollstĂ€ndig ins Lateinische; davon sind nur AuszĂŒge erhalten geblieben. In seinen letzten Lebensjahren erstellte Moerbeke seine Übersetzung des Parmenides-Kommentars.cite-ref-114[114]

Anhand der Elementatio theologica, der lateinischen Grundlagen der Theologie, erkannte Thomas von Aquin, dass der Liber de causis auf Proklos’ Werk fußt. In seinem 1272 verfassten Kommentar zum Liber de causis machte Thomas seine Entdeckung bekannt. Das war der Ausgangspunkt fĂŒr das Einsetzen des spĂ€tmittelalterlichen Interesses an Proklos, das sich auf die Elementatio theologica konzentrierte. Vor allem die Magister der Pariser UniversitĂ€t studierten dieses Werk und beriefen sich darauf; sie erfassten seine Bedeutung schon bald nach seinem Bekanntwerden.cite-ref-115[115] Ein frĂŒher Rezipient war Heinrich Bate, ein Korrespondenzpartner Moerbekes, der in sein großes Werk Speculum divinorum et quorundam naturalium (Spiegel der göttlichen Dinge und gewisser Naturdinge) eine FĂŒlle von Proklos-Zitaten einfĂŒgte.cite-ref-116[116]

Wichtige Impulse verdankte der Philosoph und Theologe Dietrich von Freiberg († um 1318/1320) der Kosmologie des Proklos. Wie der antike Neuplatoniker deutete Dietrich die Entstehung des Geschaffenen als Emanation aus Gott, den er mit dem neuplatonischen Einen gleichsetzte. Am proklischen Modell orientierte er sich auch darin, dass er zwischen Gott und die sichtbare Welt hierarchisch geordnete Intellekte als Zwischenstufen der kosmischen Ordnung setzte.cite-ref-117[117] Wie bei Proklos folgt in Dietrichs Modell auf den Hervorgang der Dinge aus dem Einen die RĂŒckwendung zum Ursprung, die von der Sehnsucht bewirkt wird. Auch in Dietrichs Universum ist alles von der Dynamik des Hervorgangs und der RĂŒckkehr geprĂ€gt.cite-ref-118[118]

An Dietrichs Überlegungen knĂŒpfte im 14. Jahrhundert der neuplatonisch orientierte, stark von Pseudo-Dionysius beeinflusste Gelehrte Berthold von Moosburg an. Er verfasste die Expositio super elementationem theologicam Procli, einen ausfĂŒhrlichen Kommentar zu Proklos’ Elementatio theologica, in dem er sich besonders mit der Metaphysik des höchsten Guten befasste. Aus Bertholds Sicht war Proklos nicht nur ein mit wissenschaftlicher Stringenz vorgehender Denker, sondern zugleich auch als Weisheitslehrer ein „göttlicher Mensch“, der seinen Lesern den Weg zur Vergöttlichung wies. Wohl von Berthold bezog der Prediger Johannes Tauler († 1361) sein Wissen ĂŒber die Theologie des „Proculus“, der als „heidnischer Meister“ in der Lage gewesen sei, die Gotteserfahrung im Seelengrund zutreffend zu beschreiben. Ein weiterer namhafter Proklos-Rezipient war Dionysius der KartĂ€user († 1471), einer der einflussreichsten Scholastiker des ausgehenden Mittelalters. Er zitierte die Elementatio theologica ausgiebig.cite-ref-119[119]

Nikolaus von Kues (1401–1464) ließ sich in zentralen Bereichen seiner Philosophie von Grundgedanken des Proklos anregen. Intensiv studierte er die Elementatio theologica und den Parmenides-Kommentar, die ihm in der Übersetzung Moerbekes vorlagen. Überdies veranlasste er den italienischen Humanisten Pietro Balbi (Petrus Balbus), die erste lateinische Übersetzung der Platonischen Theologie anzufertigen. Die erste Fassung dieser Übersetzung wurde 1462 vollendet. Nikolaus versah seine Handschriften der drei Werke mit zahlreichen Randnotizen, die teils ausfĂŒhrliche ErlĂ€uterungen enthalten. Sein Anliegen war insbesondere die Vertiefung des VerstĂ€ndnisses der absolut transzendenten Einheit und die KlĂ€rung des VerhĂ€ltnisses des Einen zur Vielheit. In der Erkenntnistheorie verwertete er eine Reihe von proklischen Konzepten und Denkstrukturen fĂŒr seine eigene Lehre, darunter die These, dass der RĂŒckgang des Denkens in sich selbst zur Sicht der eigenen Einheit fĂŒhre, in der sich die absolute Einheit als konstitutive Voraussetzung des Denkens zeige, wodurch sich eine unbezweifelbare Gewissheit erlangen lasse. Das von Nikolaus entwickelte Konzept des „Nicht-Anderen“, nach dem jedes Einzelne in sich die gesamte Wirklichkeit enthĂ€lt und die Wahrheit daher nicht im Anderen zu suchen ist, war als PrĂ€zisierung und FortfĂŒhrung der proklischen Theorie des Einen gedacht. Allerdings wich der spĂ€tmittelalterliche Philosoph von dem antiken Modell ab, indem er dem göttlichen Nicht-Anderen einen trinitarischen Aspekt zuwies.cite-ref-120[120]

Arabischsprachiger Raum

Im arabischsprachigen Raum wurde Proklos Buruážłlus genannt. Den mittelalterlichen muslimischen Denkern war er in erster Linie als Vertreter der These von der Anfangslosigkeit der Welt bekannt. Seine Schrift ĂŒber dieses Thema, deren griechischer Originaltext heute verloren ist, lag ihnen in verschiedenen arabischen Übersetzungen vor. Es soll eine vollstĂ€ndige Übersetzung existiert haben, die nicht erhalten geblieben ist. Erhalten sind eine unvollstĂ€ndige, nur die HĂ€lfte der achtzehn Argumente des Proklos enthaltende Übersetzung, die der Gelehrte កunain ibn Isងāq im 9. Jahrhundert angefertigt hat, sowie eine ebenfalls fragmentarische arabische Fassung, deren Urheber unbekannt ist. Eine dritte, heute verlorene Übersetzung verwendete im 12. Jahrhundert der Gelehrte Muáž„ammad ibn ÊżAbd al-KarÄ«m aĆĄ-Ć ahrastānÄ« in seiner Schrift ĂŒber die Religionen und philosophischen Richtungen, in der er ausfĂŒhrlich auf die proklische Lehre einging. Auch die Gegenschrift des Christen Johannes Philoponos war den arabischsprachigen Autoren zugĂ€nglich.cite-ref-121[121]

Ins Arabische ĂŒbertragen wurde auch zumindest ein Teil der LehrsĂ€tze der Grundlagen der Theologie. Eine Sammlung von zwanzig LehrsĂ€tzen mit erheblichen inhaltlichen VerĂ€nderungen gegenĂŒber dem griechischen Originaltext wurde irrtĂŒmlich dem Philosophen Alexander von Aphrodisias zugeschrieben. Dieses Corpus ist heute unter der modernen Bezeichnung „Proclus Arabus“ (arabischer Proklos) bekannt. Ferner waren die Grundlagen der Theologie die Hauptquelle – nicht die einzige Quelle, wie man frĂŒher glaubte – der wohl im 9. Jahrhundert entstandenen arabischen Schrift Kalām fÄ« maងឍ al-áž«ayr (Abhandlung ĂŒber das reine Gute), die anscheinend aus dem Kreis um den in Bagdad tĂ€tigen Gelehrten al-KindÄ« († 873) stammt. Bei al-KindÄ« ist der Einfluss der proklischen Theologie deutlich erkennbar.cite-ref-122[122] Zur Schulrichtung al-KindÄ«s gehörte der im 10. Jahrhundert lebende Philosoph AbĆ« l-កasan Muáž„ammad ibn YĆ«suf al-ÊżÄ€mirÄ«. Er verfasste ein Buch ĂŒber die Kapitel der göttlichen ErkenntnisgegenstĂ€nde (Kitāb al-fuáčŁĆ«l fÄ« l-maÊżÄlim al-ilāhÄ«ya), das in erster Linie eine Paraphrase der Grundlagen der Theologie ist.cite-ref-123[123]

Byzantinisches Reich

Im Byzantinischen Reich erwachte im 11. Jahrhundert ein neues Interesse an Proklos. Den Anfang machte Michael Psellos, der den zuvor wenig beachteten spĂ€tantiken Philosophen wiederentdeckte und dessen Lehre fĂŒr den Gipfel der antiken griechischen Philosophie hielt. Psellos’ SchĂŒler Johannes Italos setzte sich intensiv mit Proklos’ Grundlagen der Theologie auseinander. Isaak Sebastokrator, ein Bruder des Kaisers Alexios I., verfasste drei Schriften, in die er umfangreiche Paraphrasen aus den „drei kleinen Werken“ des Proklos ĂŒber Probleme der Vorsehung und des Schlechten aufnahm, wobei er den Inhalt christianisierte.cite-ref-124[124] Gegen die von Psellos initiierte positive Rezeption des paganen Denkers wandte sich im 12. Jahrhundert Bischof Nikolaos von Methone. Er verfasste eine Kampfschrift, in der er gegen die proklische Theologie polemisierte.cite-ref-125[125] Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Kurze Darstellung astronomischer Hypothesen des Proklos im Astronomieunterricht als Lehrbuch verwendet.cite-ref-126[126]

In dem Streit zwischen dem Theologen Gregorios Palamas und dem humanistisch gesinnten Philosophen Barlaam von Kalabrien, der im 14. Jahrhundert mit seinen Weiterungen die Orthodoxie erschĂŒtterte, zĂ€hlte Proklos zu den AutoritĂ€ten, auf die sich Barlaam berief, wĂ€hrend Palamas den Neuplatonismus vehement verwarf.cite-ref-127[127]

Der pagane byzantinische Philosoph Georgios Gemistos Plethon († 1452) beurteilte die proklische Philosophie teilweise kritisch. Er teilte manche der metaphysischen Überzeugungen des Proklos, missbilligte aber dessen Parmenides-Interpretation und die triadische Theologie. Gemistos glaubte, Proklos sei von dem Christen Dionysius Areopagita beeinflusst; er wollte den Platonismus von christlichen VerfĂ€lschungen befreien und sich an die authentische pagane Lehre Platons halten.cite-ref-128[128]

Georgien und Armenien

Wahrscheinlich im spĂ€ten 11. oder frĂŒhen 12. Jahrhundertcite-ref-129[129] ĂŒbersetzte der in Konstantinopel ausgebildete georgische Philosoph Ioane Petrizi die Grundlagen der Theologie ins Altgeorgische und schrieb einen Kommentar dazu, in dem er jeden Lehrsatz erklĂ€rte. Dabei zog er auch die Platonische Theologie und den Parmenides-Kommentar des Proklos heran und gab sich als AnhĂ€nger von dessen Lehre zu erkennen. Er hielt Proklos fĂŒr den wichtigsten aller Philosophen, denn ihm sei die klare Darlegung dessen, was Platon nur angedeutet habe, zu verdanken. Aus Petrizis Sicht ist die Philosophie des antiken Neuplatonikers mit dem christlichen TrinitĂ€tsdogma vereinbar und nicht polytheistisch.cite-ref-130[130]

Auf der Basis der georgischen Übersetzung der Grundlagen der Theologie entstand im Jahr 1248 eine altarmenische Übersetzung des Werks sowie von Petrizis Kommentar. Sie wurde von einem in Georgien lebenden armenischen Mönch erstellt.cite-ref-131[131]

FrĂŒhe Neuzeit

In der Renaissance stand Proklos im Schatten des Pseudo-Dionysius Areopagita, der weiterhin als SchĂŒler des Apostels Paulus galt; man glaubte, der pagane Philosoph habe Gedankengut des christlichen Theologen ĂŒbernommen. Dieser Ansicht war insbesondere der neuplatonisch orientierte Denker Marsilio Ficino (1433–1499), der als fĂŒhrender Übersetzer und Interpret antiken platonischen Schrifttums hervortrat. Sein VerhĂ€ltnis zu Proklos war relativ distanziert; er ließ sich zwar vielfach von den Ideen des spĂ€tantiken Neuplatonikers anregen, spielte dessen Bedeutung aber herunter.cite-ref-132[132]

Der zuvor unbekannte Teil von Proklos’ handschriftlich ĂŒberliefertem ƒuvre wurde von den Renaissance-Humanisten entdeckt und der Gelehrtenwelt zugĂ€nglich gemacht. Seine Werke wurden von den Platonikern unter den Humanisten rezipiert, aber auch die antiproklische Polemik des mittelalterlichen griechischen Bischofs Nikolaos von Methone fand viel Beachtung. Kardinal Bessarion veröffentlichte 1469 seine gegen den antiplatonischen Gelehrten Georgios Trapezuntios gerichtete Kampfschrift In calumniatorem Platonis (Gegen den Verleumder Platons), in der er sich bei der Verteidigung Platons auf die Platonische Theologie des Proklos stĂŒtzte. Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) nahm in sein Werk 900 Thesen (Conclusiones nongentae) eine FĂŒlle von proklischem Material auf, darunter 55 Thesen, die er ausdrĂŒcklich als von Proklos stammend kennzeichnete.cite-ref-133[133] Francesco Patrizi da Cherso (1529–1597) verwertete in seiner Schrift Nova de universis philosophia (1591) Gedanken aus Proklos’ Werken, vor allem aus den Grundlagen der Theologie.cite-ref-134[134]

Die Erstausgabe des Euklid-Kommentars des Proklos erschien 1533; es folgte eine lateinische Übersetzung, die der Mathematiker Francesco Barozzi 1560 publizierte. Im 16. Jahrhundert wurde dieses Werk in Debatten ĂŒber Fragen der Philosophie der Mathematik herangezogen, an denen sich neben Barozzi u. a. der Philosoph Alessandro Piccolomini und der Mathematiker Konrad Dasypodius beteiligten. Eines der Themen war die Frage, inwieweit die Mathematik als Wissenschaft betrachtet werden kann, obwohl sie keine Ursachen ermittelt.cite-ref-135[135]

Johannes Kepler schĂ€tzte Proklos. Er zitierte den Euklid-Kommentar ausfĂŒhrlich und bezeichnete ihn als vorbildlich fĂŒr den philosophischen Umgang mit der Mathematik. Besonders gefiel ihm die Kritik des spĂ€tantiken Neuplatonikers an der Kompliziertheit des ptolemĂ€ischen Modells der Planetenbewegungen.cite-ref-136[136]

Im 18. Jahrhundert fand die Philosophie des Proklos wenig Resonanz. Die metaphysischen Anliegen der spĂ€tantiken Neuplatoniker waren dem damaligen Zeitgeist fremd, der Philosophiehistoriker Dietrich Tiedemann fĂ€llte 1793 ein vernichtendes Urteil. GĂ€ngig war die EinschĂ€tzung, es handle sich um einen abstrakten und leeren Scholastizismus und um TrĂ€umerei. Auch als Dichter wurde Proklos kaum beachtet; immerhin ĂŒbertrug Johann Gottfried Herder die Hymne auf Athene ins Deutsche. Herder publizierte seine Übersetzung 1795 in der literarischen Monatsschrift Die Horen.cite-ref-137[137]

Moderne

In der frĂŒhen Moderne setzte ein verstĂ€rktes Interesse an der proklischen Philosophie ein. Der populĂ€rwissenschaftliche Schriftsteller Thomas Taylor (1758–1835) ĂŒbersetzte ab dem spĂ€ten 18. Jahrhundert die Werke des Proklos ins Englische und machte sie damit einem breiteren Publikum zugĂ€nglich. Zu den Lesern, denen er das Gedankengut des Neuplatonikers erschloss, zĂ€hlte Ralph Waldo Emerson.cite-ref-138[138] In fachphilosophischen Kreisen war es vor allem Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der mit seiner dezidierten AnknĂŒpfung an die Denkweise des spĂ€tantiken Neuplatonikers eine „Proklos-Renaissance“ initiierte. Die Urteile ĂŒber die proklische Lehre fielen im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert sehr unterschiedlich aus; neben Bewunderung fĂŒr das dialektische Moment der Methode und das großangelegte System stand eine teils schroffe Ablehnung der spekulativen Vorgehensweise. SpĂ€ter hat sich in der Fachwelt eine insgesamt positive EinschĂ€tzung durchgesetzt.cite-ref-139[139]

Hegel betrachtete den Neuplatonismus als Vollendung der gesamten antiken Philosophie und die Metaphysik des Proklos als Vollendung des Neuplatonismus und damit als Höhepunkt des antiken Denkens. Er schĂ€tzte an Proklos dessen Systematisierung der neuplatonischen Lehre, die Wiederaufnahme und WeiterfĂŒhrung von Platons Dialektik des Einen in der Parmenides-Deutung und die Vermehrung der Hypostasen im Rahmen eines Systems universaler Vermittlung. Hegel zog die Platonische Theologie und die Grundlagen der Theologie heran; ob er auch den Parmenides-Kommentar gelesen hat, ist ungewiss.cite-ref-140[140] Nach seiner Ansicht ist Proklos’ Denken „logischer“ als dasjenige Plotins und seine Platondeutung die historisch korrektere. Als Hauptleistung des Proklos betrachtete Hegel die Herausarbeitung der triadischen Struktur, das Konzept der „Dreieinigkeit“. Er teilte die Auffassung des antiken Denkers, der zufolge die mannigfaltigen Manifestationen notwendigerweise aus einer ursprĂŒnglichen einfachen Einheit hervorgehen, und nahm wie Proklos eine RĂŒckwendung des Hervorgegangenen zum Ursprung an. Ein fundamentaler Unterschied zwischen den Ansichten der beiden Philosophen besteht jedoch in der EinschĂ€tzung der Rolle dieses Prozesses. Hegel sah darin eine dialektische Weiter- und Höherentwicklung; deren Resultat sei ein allumfassendes und daher die Vielheit und die Bestimmungen einschließendes Absolutes, das erst durch den Prozess zu sich selbst komme und damit die noch unbestimmte und daher mangelhafte ursprĂŒngliche Einheit und Einfachheit ĂŒbertreffe. Nach der proklischen Lehre hingegen ist bereits die anfĂ€ngliche Einfachheit schlechthin vollkommen, ihre MĂ€chtigkeit besteht gerade in ihrer Bestimmungslosigkeit und jede Vielheit ist von ihr prinzipiell ausgeschlossen. Somit bedarf das Eine der aus ihm hervorgegangenen EntitĂ€ten in keiner Weise, das Absolute gewinnt durch den Prozess nichts.cite-ref-141[141]

Kritiker Hegels sahen seine NĂ€he zu Proklos und nahmen sie aufs Korn. So befand Ludwig Feuerbach in abwertendem Sinn, Hegel sei „der deutsche Proklus“.cite-ref-142[142] Arthur Schopenhauer kritisierte die Methode des Proklos vehement. Der Fehler sei, dass von den Begriffen als dem Gegebenen ausgegangen werde; es werde aus den Begriffen statt in sie gearbeitet. Proklos raffe Abstrakta auf und ignoriere dabei die Anschauungen, „denen allein sie ihren Ursprung und allen Gehalt verdanken“. Als „Begriffsarchitekt“ erbaue er mit unbefangener Dreistigkeit eine Welt von Hirngespinsten. Diese Vorgehensweise sei auch diejenige zeitgenössischer Philosophen wie Hegel und Schelling, die ebenfalls derartigen „hohlen Wortkram“ produziert hĂ€tten.cite-ref-143[143] Proklos sei ein „seichter, breiter, fader SchwĂ€tzer“; er habe das „breiteste, weitschweifigste GewĂ€sche von der Welt“ verfasst.cite-ref-144[144] Eduard von Hartmann urteilte, Hegels triadische Dialektik sei „dem unfruchtbaren Scharfsinn und der schablonenhaften Schematisierungssucht des Proklos geistesverwandt“, der echte Ruhm Plotins sei durch den falschen des Proklos verdunkelt worden.cite-ref-145[145]

Friedrich Nietzsche sah in Proklos den ReprĂ€sentanten einer dem Christentum entgegengesetzten Haltung und Ă€ußerte sich 1875 anerkennend: „Am Ausgange des Alterthums stehen noch ganz unchristliche Gestalten, die schöner, reiner und harmonischer sind, als alle christlichen; zum Beispiel Proklos.“cite-ref-146[146]

Hermann Cohen, der BegrĂŒnder der „Marburger Schule“ des Neukantianismus, hielt den Euklid-Kommentar des Proklos fĂŒr „die beste Philosophie der Mathematik“. Er tadelte jedoch in seiner 1902 publizierten Schrift Logik der reinen Erkenntniss den „schlechten Einfluss“, den Aristoteles durch sein „inneres logisches MissverhĂ€ltniss zur Mathematik“ auf den Neuplatoniker ausgeĂŒbt habe.cite-ref-147[147] 1909 veröffentlichte Nicolai Hartmann seine Marburger Habilitationsschrift Des Proklus Diadochus philosophische AnfangsgrĂŒnde der Mathematik, in der er das philosophische MathematikverstĂ€ndnis des Proklos aus der Perspektive des in Marburg damals gepflegten neukantianischen Idealismus untersuchte.

Der renommierte Philologe Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff fĂ€llte aus literaturwissenschaftlicher Sicht ein ungĂŒnstiges Urteil: Die Hymnen seien nur Einkleidungen von Dogmen in die konventionelle epische Hymnenform, in den Kommentaren habe Proklos die ErklĂ€rung des kommentierten Werkes ganz aus den Augen verloren und seine ganze philosophische Schriftstellerei habe kaum noch stilistische Aspirationen.cite-ref-148[148]

Eduard Zeller befand in seinem 1923 in fĂŒnfter Auflage erschienenen Handbuch der griechischen Philosophiegeschichte, Proklos habe seine Aufgabe, die Lehre seiner Schule in ihrem wissenschaftlichen Aufbau zum Abschluss zu bringen, mit logischer Meisterschaft gelöst. Er habe eine seltene StĂ€rke des logischen Denkens besessen, doch sei dieses Denken „von Hause aus unfrei“, durch AutoritĂ€ten und Voraussetzungen aller Art gefesselt gewesen. So habe er scharfsinnig daran gearbeitet, die WidersprĂŒche und Ungereimtheiten der mythologischen und dogmatischen Überlieferung zu beseitigen. Anerkennenswert seien die Großartigkeit der Anlage des Systems und die Beharrlichkeit, mit der ein Grundgedanke bis in seine feinsten Verzweigungen verfolgt werde, sowie die Kunst, mit der aus ungleichartigen Bestandteilen ein symmetrisches Ganzes gebildet sei. Dennoch hinterlasse das System keinen befriedigenden Eindruck, denn sein Ausbau sei nur der logischen Konsequenz entsprungen, mit der abstrakte Voraussetzungen in immer weitere Abstraktionen ausgesponnen worden seien.cite-ref-149[149]

FĂŒr Karl Praechter, dessen Standardwerk „Ueberweg-Praechter“ 1926 in zwölfter Auflage erschien, war Proklos „der große Scholastiker des Altertums“. Er habe die herkömmlichen Lehren mit allen Mitteln subtilster Begriffsbehandlung bearbeitet und gewaltige ĂŒberlieferte Vorstellungsmassen zu einem großen GedankengebĂ€ude zusammengefĂŒgt.cite-ref-150[150]

Ernst Bloch schĂ€tzte Proklos als Dialektiker; er meinte, der Neuplatoniker habe „das schwierige Fahrwasser des dialektischen Widerspruchs, also der wahren Welt“ befahren und mit dem „Dreiklang der ersten Entfaltungs-Triade: Beharren, Hervortritt, RĂŒckkehr“ ein „StĂŒck Heraklitische Tiefe“ in seinem Denken gehabt. Hegel habe ihn als Geistesverwandten energisch neu entdeckt: „Gleiches wird durch Gleiches erkannt.“cite-ref-151[151]

Starke Impulse erhielt die Proklos-Forschung von Werner Beierwaltes, der in einer Reihe von Arbeiten Fragen der proklischen Lehre und ihrer Rezeptionsgeschichte untersuchte und mit seiner erstmals 1965 publizierten, 1979 in zweiter Auflage erschienenen Monographie Proklos. GrundzĂŒge seiner Metaphysik ein Standardwerk schuf. Beierwaltes bemĂŒhte sich nach seinen Worten, einen Eindruck vom Entfaltungsreichtum und der Faszinationskraft des proklischen Denkens zu vermitteln. Dieses könne in der Gegenwart zum Impuls werden, zentrale Fragen der Metaphysik unter verĂ€nderten Bedingungen erneut zu durchdenken und fortzubestimmen.cite-ref-152[152]

Jens Halfwassen wĂŒrdigte Proklos 2004 als „Hegel der Antike“, als Schöpfer einer Metaphysik, welche „die vollendetste systematische Ausgestaltung des neuplatonischen Denkens“ sei; er habe das umfassendste und differenzierteste aller neuplatonischen Systeme ersonnen. Seine spekulative Begabung und sein „unvergleichlicher Scharfsinn“ verschaffe ihm einen herausragenden Platz in der Geschichte des Neuplatonismus.cite-ref-153[153]

Gyburg Radke hob 2006 die Differenziertheit und den Reichtum von Proklos’ Platon-Interpretation lobend hervor; er habe die Dialoge in humanistischem Geist aufgefasst und den Parmenides „auch auf der Ebene der Dialoghandlung als Inbegriff der HumanitĂ€t prĂ€sentiert“.cite-ref-154[154]

Umstritten ist die EinschĂ€tzung der Stichhaltigkeit von Proklos’ Argumentation in den Grundlagen der Theologie vom Standpunkt der modernen Logik und der Mengenlehre aus. Kritisiert wird unter anderem, Proklos projiziere die Strukturen der Logik unreflektiert auf diejenigen des Kosmos.cite-ref-155[155]

Der Mondkrater Proclus ist nach dem Philosophen benannt.

Quellenausgabe mit Übersetzung

‱ Henri-Dominique Saffrey, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Marinus: Proclus ou Sur le bonheur. Les Belles Lettres, Paris 2001, ISBN 2-251-00496-3 (kritische Edition des griechischen Textes der Vita Procli des Marinos von Neapolis mit französischer Übersetzung und Kommentar)

Ausgaben und Übersetzungen der Werke

Textausgaben (teilweise mit Übersetzungen)

Platonkommentare

‱ Michele Abbate (Hrsg.): Proclo: Commento alla Repubblica di Platone (dissertazioni I, III–V, VII–XII, XIV–XV, XVII). Bompiani, Milano 2004, ISBN 88-452-1212-2 (ohne kritischen Apparat, mit italienischer Übersetzung)
‱ Ernst Diehl (Hrsg.): Procli diadochi in Platonis Timaeum commentaria. 3 BĂ€nde, Teubner, Leipzig 1903–1906 (kritische Edition, Band 1 online, Band 2 online, Band 3 online)
‱ Wilhelm Kroll (Hrsg.): Procli diadochi in Platonis rem publicam commentarii, 2 BĂ€nde, Teubner, Leipzig 1899–1901 (kritische Edition, Band 1 online, Band 2 online)
‱ Robert Lamberton (Hrsg.): Proclus the Successor: On Poetics and the Homeric Poems. Essays 5 and 6 of His Commentary on the Republic of Plato. Society of Biblical Literature, Atlanta 2012, ISBN 978-1-58983-711-9 (unkritische Ausgabe mit englischer Übersetzung)
‱ Concetta Luna, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Proclus: Commentaire sur le ParmĂ©nide de Platon. Les Belles Lettres, Paris (kritische Edition mit französischer Übersetzung)

‱ Bd. 1, Teil 1: Introduction gĂ©nĂ©rale, 2007, ISBN 978-2-251-00538-6
‱ Bd. 1, Teil 2: Livre I, 2007, ISBN 978-2-251-00538-6
‱ Bd. 2: Livre II, 2010, ISBN 978-2-251-00560-7
‱ Bd. 3, Teil 1: Introduction au livre III, 2011, ISBN 978-2-251-00563-8
‱ Bd. 3, Teil 2: Livre III, 2011, ISBN 978-2-251-00563-8
‱ Bd. 4, Teil 1: Livre IV, 2013, ISBN 978-2-251-00585-0
‱ Bd. 4, Teil 2: Notes complĂ©mentaires et index du livre IV, 2013, ISBN 978-2-251-00585-0
‱ Bd. 5: Livre V, 2014, ISBN 978-2-251-00590-4
‱ Bd. 6: Livre VI, 2017, ISBN 978-2-251-00613-0

‱ Giorgio Pasquali (Hrsg.): Procli diadochi in Platonis Cratylum commentaria. Teubner, Leipzig 1908 (kritische Edition, online; neu abgedruckt in: Francesco Romano (Hrsg.): Proclo: Lezioni sul „Cratilo“ di Platone. L’Erma di Bretschneider, Rom 1989, ISBN 88-7062-696-2, mit Einleitung, italienischer Übersetzung und Kommentar von Romano)
‱ Alain Philippe Segonds (Hrsg.): Proclus: Sur le Premier Alcibiade de Platon. 2. Auflage, 2 BĂ€nde, Les Belles Lettres, Paris 2003, ISBN 2-251-00388-6 und ISBN 2-251-00393-2 (kritische Edition mit französischer Übersetzung)
‱ Carlos Steel (Hrsg.): Procli in Platonis Parmenidem commentaria, 3 BĂ€nde, Oxford University Press, Oxford 2007–2009 (kritische Edition, unterscheidet sich teils erheblich von der etwa zeitgleich begonnenen Pariser Edition)cite-ref-156[156]

Theologie, Metaphysik, Naturphilosophie, Lehre vom Schlechten

‱ Joseph Bidez (Hrsg.): Proclus, ΠΔρ᜶ Ï„áż†Ï‚ ÎșαΞ’ ጝλληΜας ጱΔρατÎčÎșáż†Ï‚ τέχΜης. In: Joseph Bidez (Hrsg.): Catalogue des manuscrits alchimiques grecs. Bd. 6, Lamertin, Bruxelles 1928, S. 137–151 (kritische Edition), online (Memento vom 24. Oktober 2009 im Internet Archive)
‱ Eric Robertson Dodds (Hrsg.): Proclus: The Elements of Theology. A Revised Text. Oxford University Press, Oxford 1963 (kritische Edition der Stoicheíƍsis theologikᾗ mit englischer Übersetzung)
‱ Helen S. Lang, Anthony David Macro (Hrsg.): Proclus: On the Eternity of the World. De Aeternitate Mundi. University of California Press, Berkeley 2001, ISBN 0-520-22554-6 (kritische Edition mit englischer Übersetzung)
‱ Ernst-Otto Onnasch, Ben Schomakers (Hrsg.): Proklos: Theologische Grundlegung. Meiner, Hamburg 2015, ISBN 978-3-7873-1656-4 (griechischer Text der Stoicheíƍsis theologikᾗ mit deutscher Übersetzung und Kommentar)
‱ Henri Dominique Saffrey, Leendert Gerrit Westerink (Hrsg.): Proclus: ThĂ©ologie platonicienne. 6 BĂ€nde, Les Belles Lettres, Paris 1968–1997 (kritische Edition mit französischer Übersetzung)
‱ Erwin Sonderegger (Hrsg.): Proklos: Grundkurs ĂŒber Einheit. GrundzĂŒge der neuplatonischen Welt. Academia, Sankt Augustin 2004, ISBN 3-89665-270-2 (griechischer Text der Stoicheíƍsis theologikᾗ nach Dodds [ohne kritischen Apparat] und deutsche Übersetzung)
‱ Benedikt Strobel (Hrsg.): Proklos, Tria opuscula. Textkritisch kommentierte Retroversion der Übersetzung Wilhelms von Moerbeke. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-026625-2 (Rekonstruktion der verlorenen griechischen Originaltexte anhand der mittelalterlichen lateinischen Übersetzungen mit ausfĂŒhrlichem Stellenkommentar)

Hesiod-Kommentar

‱ Patrizia Marzillo (Hrsg.): Der Kommentar des Proklos zu Hesiods „Werken und Tagen“. Narr, TĂŒbingen 2010, ISBN 978-3-8233-6353-8 (kritische Edition mit Übersetzung und ErlĂ€uterung)

Mathematik und Naturwissenschaft

‱ Gottfried Friedlein (Hrsg.): Procli diadochi in primum Euclidis elementorum librum commentarii. Olms, Hildesheim 1967 (Nachdruck der Ausgabe Teubner, Leipzig 1873; kritische Edition, unzulĂ€nglich, aber noch immer maßgeblich; online)
‱ Karl Manitius (Hrsg.): Procli Diadochi hypotyposis astronomicarum positionum. Teubner, Stuttgart 1974, ISBN 3-519-01732-6 (kritische Edition mit deutscher Übersetzung, online)
‱ Albert Ritzenfeld (Hrsg.): Procli diadochi Lycii institutio physica. Teubner, Leipzig 1912 (kritische Edition mit deutscher Übersetzung)

Hymnen

‱ Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns. Essays, translations, commentary. Brill, Leiden 2001, ISBN 90-04-12236-2 (mit englischer Übersetzung und ausfĂŒhrlichem Kommentar)
‱ Ernst Vogt (Hrsg.): Procli hymni. Harrassowitz, Wiesbaden 1957 (kritische Edition)

Übersetzungen (modern)

Platonkommentare

‱ Dirk Baltzly, John F. Finamore, Graeme Miles (Übersetzer): Proclus: Commentary on Plato’s Republic. Cambridge University Press, Cambridge 2018 ff.

‱ Band 1: Essays 1–6, 2018, ISBN 978-1-107-15469-8

‱ Brian Duvick (Übersetzer): Proclus: On Plato Cratylus. Bloomsbury, London 2014, ISBN 978-0-7156-3674-9
‱ AndrĂ©-Jean FestugiĂšre (Übersetzer): Proclus: Commentaire sur la RĂ©publique. 3 BĂ€nde, Vrin, Paris 1970
‱ AndrĂ©-Jean FestugiĂšre (Übersetzer): Proclus: Commentaire sur le TimĂ©e. 5 BĂ€nde, Vrin, Paris 1966–1968
‱ William O’Neill (Übersetzer): Proclus: Alcibiades I. A translation and commentary. 2. Auflage, Nijhoff, Den Haag 1971, ISBN 90-247-5131-4
‱ Harold Tarrant, David T. Runia, Michael Share, Dirk Baltzly (Übersetzer): Proclus: Commentary on Plato’s Timaeus. 6 BĂ€nde, Cambridge University Press, Cambridge 2007–2017
‱ Hans GĂŒnter Zekl (Übersetzer): Proklos Diadochos: Kommentar zum platonischen Parmenides. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4383-3

Sonstige Schriften

‱ Matthias Baltes (Übersetzer): Proklos: Über die immerwĂ€hrende Dauer des Kosmos. In: Matthias Baltes: Die Weltentstehung des platonischen Timaios nach den antiken Interpreten, Teil 2: Proklos. Brill, Leiden 1978, ISBN 90-04-05799-4, S. 134–164
‱ Michael Erler (Übersetzer): Proklos Diadochos: Über die Existenz des Bösen. Hain, Meisenheim am Glan 1978, ISBN 3-445-01882-0 (mit ErlĂ€uterungen)
‱ Michael Erler (Übersetzer): Proklos Diadochos: Über die Vorsehung, das Schicksal und den freien Willen an Theodoros, den Ingenieur (Mechaniker). Hain, Meisenheim am Glan 1980, ISBN 3-445-02100-7 (mit ErlĂ€uterungen)
‱ Jan Opsomer, Carlos Steel (Übersetzer): Proclus: Ten Problems Concerning Providence. Bloomsbury, London 2012, ISBN 978-0-7156-3924-5
‱ Max Steck (Hrsg.), Leander Schönberger (Übersetzer): Proklus Diadochus 410–485: Kommentar zum ersten Buch von Euklids „Elementen“. Deutsche Akademie der Naturforscher, Halle (Saale) 1945
‱ Ingeborg ZurbrĂŒgg (Übersetzerin): Proklos: Elemente der Theologie. Gardez, Remscheid 2004, ISBN 3-89796-123-7 (mit ErlĂ€uterungsheft: Enchiridion – Handbuch. Zur ErlĂ€uterung, Kommentierung und Vertiefung der Übersetzung der Elemente der Theologie des Proklos, Gardez, Remscheid 2005, ISBN 3-89796-160-1)

Übersetzungen (lateinisch, mittelalterlich)

‱ Rainer Bartholomai (Hrsg.): Proklos: Kommentar zu Platons Parmenides 141 E – 142 A. 2., neu bearbeitete Auflage, Academia, Sankt Augustin 2002, ISBN 3-89665-206-0 (lateinische Übersetzung Wilhelms von Moerbeke mit deutscher Übersetzung von Bartholomai)
‱ Helmut Boese (Hrsg.): Die mittelalterliche Übersetzung der Stoicheiosis physike des Proclus. Procli Diadochi Lycii elementatio physica. Akademie-Verlag, Berlin 1958 (kritische Edition)
‱ Helmut Boese (Hrsg.): Proclus: Elementatio theologica translata a Guillelmo de Morbecca. University Press, Louvain 1987, ISBN 90-6186-244-2
‱ Daniel Isaac (Hrsg.): Proclus: Trois Ă©tudes sur la providence. Les Belles Lettres, Paris 1977–1982 (kritische Ausgabe der lateinischen Übersetzungen Wilhelms von Moerbeke mit französischer Übersetzung sowie einiger griechischer Fragmente)

‱ Bd. 1: Dix problùmes concernant la providence, 1977
‱ Bd. 2: Providence, fatalitĂ©, libertĂ©, 1979, ISBN 2-251-00290-1
‱ Bd. 3: De l’existence du mal, 1982, ISBN 2-251-00291-X

‱ Carlos Steel (Hrsg.): Proclus: Commentaire sur le ParmĂ©nide de Platon. Traduction de Guillaume de Moerbeke. University Press, Louvain 1982–1985, ISBN 90-6186-124-1 (kritische Edition)

‱ Band 1: Livres I à IV, 1982
‱ Band 2: Livres V à VII et Notes marginales de Nicolas de Cues, 1985

Übersetzung (arabisch, mittelalterlich)

‱ Gerhard Endress (Hrsg.): Proclus Arabus. Zwanzig Abschnitte aus der Institutio theologica in arabischer Übersetzung. Steiner, Wiesbaden 1973

Literatur

Übersichtsdarstellungen

‱ Concetta Luna, Alain-Philippe Segonds, Gerhard Endress: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 5, Teil 2 (= 5 b), CNRS Éditions, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07399-0, S. 1546–1674 (enthĂ€lt umfassende Übersicht ĂŒber die Werke, berĂŒcksichtigt auch die orientalische Rezeption)
‱ Matthias Perkams: Proklos. In: Christoph Riedweg u. a. (Hrsg.): Philosophie der Kaiserzeit und der SpĂ€tantike (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 5/3). Schwabe, Basel 2018, ISBN 978-3-7965-3700-4, S. 1909–1971, 2136–2152
‱ Carlos Steel: Proclus. In: Lloyd P. Gerson (Hrsg.): The Cambridge History of Philosophy in Late Antiquity. Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-19484-6, S. 630–653, 1124–1128

EinfĂŒhrungen, Gesamtdarstellungen, Allgemeines

‱ Radek Chlup: Proclus. An Introduction. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-76148-2
‱ Elena Gritti: Proclo. Dialettica, Anima, Esegesi. Edizioni Universitarie di Lettere, Economia, Diritto, Milano 2008, ISBN 978-88-7916-385-9
‱ Gyburg Radke: Das LĂ€cheln des Parmenides. Proklos’ Interpretationen zur Platonischen Dialogform. De Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-019014-1
‱ Lucas Siorvanes: Proclus. Neo-Platonic Philosophy and Science. Yale University Press, New Haven/London 1996, ISBN 0-300-06806-9

Aufsatzsammlungen

‱ Werner Beierwaltes: Procliana. SpĂ€tantikes Denken und seine Spuren. Klostermann, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-465-03513-8 (Sammlung von AufsĂ€tzen des Verfassers, die teilweise rezeptionsgeschichtliche Themen behandeln)
‱ Egbert P. Bos, Pieter A. Meijer (Hrsg.): On Proclus and his influence in medieval philosophy. Brill, Leiden 1992, ISBN 90-04-09429-6
‱ Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus. From Antiquity to the Renaissance. Cambridge University Press, Cambridge 2014, ISBN 978-0-521-19849-3 (Rezension bei H-Soz-Kult)
‱ Alain Lernould (Hrsg.): Études sur le Commentaire de Proclus au premier livre des ÉlĂ©ments d’Euclide. Presses Universitaires du Septentrion, Villeneuve d’Ascq 2010, ISBN 978-2-7574-0155-2
‱ Jean PĂ©pin, Henri Dominique Saffrey (Hrsg.): Proclus lecteur et interprĂšte des anciens. Éditions du CNRS, Paris 1987, ISBN 2-222-04043-4
‱ Matthias Perkams, Rosa Maria Piccione (Hrsg.): Proklos. Methode, Seelenlehre, Metaphysik. Brill, Leiden 2006, ISBN 90-04-15084-6
‱ Alain Philippe Segonds, Carlos Steel (Hrsg.): Proclus et la ThĂ©ologie Platonicienne. University Press, Louvain 2000, ISBN 90-5867-020-1

Metaphysik

‱ Werner Beierwaltes: Proklos. GrundzĂŒge seiner Metaphysik. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Klostermann, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-465-01353-0
‱ Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie. Die metaphysische Prinzipienlehre des spĂ€ten Neuplatonismus. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3616-3, S. 37–284
‱ Arthur Oosthout: Proclus on whole and part: a reappraisal of mereology in Neoplatonic metaphysics (= Philosophia antiqua, 172). Brill, Leiden 2025, ISBN 9789004721753. – Rezension von Rareș Ilie Marinescu, Bryn Mawr Classical Review 2025.10.41
‱ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun. Ein Paradoxon in der Philosophie des Proklos. Duncker & Humblot, Berlin 2008, ISBN 978-3-428-12273-8

Naturphilosophie

‱ Marije Martijn: Proclus on Nature. Philosophy of Nature and Its Methods in Proclus’ Commentary on Plato’s Timaeus. Brill, Leiden 2010, ISBN 978-90-04-18191-5
‱ Benjamin Gleede: Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos. Ein Kommentar zu den 18 Argumenten fĂŒr die Ewigkeit der Welt bei Johannes Philoponos (= Studien und Texte zu Antike und Christentum, Band 54). Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2009, ISBN 978-3-16-150043-5

Ethik und Lehre vom Schlechten

‱ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos. Eine Platoninterpretation und ihre Rezeption durch Dionysios Areopagites. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021230-3
‱ John Phillips: Order from Disorder. Proclus’ Doctrine of Evil and its Roots in Ancient Platonism. Brill, Leiden 2007, ISBN 978-90-04-16018-7
‱ Reinhard Pichler: Allegorese und Ethik bei Proklos. Untersuchungen zum Kommentar zu Platons Politeia. Frank & Timme, Berlin 2006, ISBN 3-86596-027-8

Mathematik

‱ Markus Schmitz: Euklids Geometrie und ihre mathematiktheoretische Grundlegung in der neuplatonischen Philosophie des Proklos. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1997, ISBN 3-8260-1268-2

Theurgie

‱ David Vachon: La thĂ©urgie et la mystagogie dans la philosophie de Proclus: statut, rĂŽle, implications. (ZĂȘtĂȘsis). Presses de l’UniversitĂ© Laval, QuĂ©bec 2024, ISBN 9782766303670

Weblinks

Commons

: Proklos

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Literatur von und ĂŒber Proklos im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Werke von und ĂŒber Proklos in der Deutschen Digitalen Bibliothek
‱ John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Proclus Diadochus. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).

Überblick

‱ Christoph Helmig, Carlos Steel: Proclus. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.

Bibliographien

‱ Christoph Helmig: Verzeichnis von Ausgaben und Übersetzungen der Werke des Proklos
‱ Pieter d’Hoine: Proklos-Bibliographie fĂŒr den Zeitraum ab 1990

Ausgaben

‱ Parmenides-Kommentar (Memento vom 4. September 2010 im Internet Archive), Edition von Victor Cousin (1864)
‱ Tria opuscula, Edition von Victor Cousin (1820)

Übersetzungen

‱ Platonische Theologie, englische Übersetzung von Thomas Taylor (1816)
‱ Stoicheiosis TheologikĂȘ, alle 211 Thesen griech./dt.
‱ Timaios-Kommentar, englische Übersetzung von Thomas Taylor (1820), Band 1
‱ Timaios-Kommentar, englische Übersetzung von Thomas Taylor (1820), Band 2
‱ Euklid-Kommentar, englische Übersetzung von Thomas Taylor, Band 1 (1788)
‱ Euklid-Kommentar, englische Übersetzung von Thomas Taylor, Band 2 (1792)
‱ Über zehn die Vorsehung betreffende Zweifelsfragen und Über die Beschaffenheit der Übel, englische Übersetzung von Thomas Taylor (1833)
‱ Fragments of the Lost Writings of Proclus, englische Übersetzung von Thomas Taylor (1825)
‱ Hymnen, deutsche Übersetzung von Otto Schönberger und Eva Schönberger

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Die ZuverlĂ€ssigkeit des Horoskops ist allerdings umstritten. Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 25 f. hĂ€lt es fĂŒr unglaubwĂŒrdig und tritt fĂŒr eine Datierung der Geburt gegen Ende 410 oder Anfang 411 ein. Zur Berechnung nach dem Horoskop siehe Alexander Jones: The Horoscope of Proclus. In: Classical Philology 94, 1999, S. 81–88.
cite-note-22. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1548 f.; Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 1–4.
cite-note-33. ↑ Siehe dazu Lucas Siorvanes: Proclus’ life, works, and education of the soul. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 33–56, hier: 37 f.
cite-note-44. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1549; Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 4–6.
cite-note-55. ↑ Zur Datierung siehe Henri D. Saffrey, Leendert G. Westerink (Hrsg.): Proclus: ThĂ©ologie platonicienne, Bd. 1, Paris 1968, S. XVI f.; John M. Dillon: General Introduction. In: Glenn R. Morrow, John M. Dillon (Übersetzer): Proclus’ Commentary on Plato’s Parmenides, Princeton 1992, S. XI–XLIV, hier: XII f.; Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 6.
cite-note-66. ↑ Siehe zum diadochos Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 21 f.
cite-note-77. ↑ Zu den SchĂŒlern siehe Dominic J. O’Meara: Platonopolis, Oxford 2003, S. 21 f.; Henri D. Saffrey, Leendert G. Westerink (Hrsg.): Proclus: ThĂ©ologie platonicienne, Bd. 1, Paris 1968, S. XLIX–LIV.
cite-note-88. ↑ Marinos, Vita Procli 22,29–37. Siehe dazu Otmar Schissel: Der Stundenplan des Neuplatonikers Proklos. In: Byzantinische Zeitschrift 26, 1926, S. 265–272; Henri Dominique Saffrey, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Marinus: Proclus ou Sur le bonheur, Paris 2001, S. 91, 142.
cite-note-99. ↑ Arja Karivieri: The ‚House of Proclus‘ on the Southern Slope of the Acropolis: A Contribution. In: Paavo CastrĂ©n (Hrsg.): Post-Herulian Athens, Helsinki 1994, S. 115–139. Eine ForschungsĂŒbersicht bietet Philippe Hoffmann: Damascius. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 2, Paris 1994, S. 541–593, hier: 548–555.
cite-note-1010. ↑ Marinos, Vita Procli 16,1–9.
cite-note-1111. ↑ Marinos, Vita Procli 15.
cite-note-1212. ↑ Philippe Hoffmann: Un grief antichrĂ©tien chez Proclus: l’ignorance en thĂ©ologie. In: Arnaud Perrot (Hrsg.): Les chrĂ©tiens et l’hellĂ©nisme, Paris 2012, S. 161–197, hier: 164 f., 173 f., 180–197.
cite-note-1313. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1549 f.
cite-note-1414. ↑ Robbert M. van den Berg: Proclus’ Commentary on the Cratylus in Context, Leiden 2008, S. 94 f.
cite-note-1515. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1555–1562 (zur Aristoteleskommentierung), 1566–1589 (zur Platonkommentierung).
cite-note-1616. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1597–1599.
cite-note-1717. ↑ AndrĂ©-Jean FestugiĂšre: Modes de composition des Commentaires de Proclus. In: Museum Helveticum 20, 1963, S. 77–100, hier: 81–91; Alain Philippe Segonds (Hrsg.): Proclus: Sur le Premier Alcibiade de Platon, 2. Auflage, Bd. 1, Paris 2003, S. XLIII–XLVII; Erich Lamberz: Proklos und die Form des philosophischen Kommentars. In: Jean PĂ©pin, Henri Dominique Saffrey (Hrsg.): Proclus lecteur et interprĂšte des anciens, Paris 1987, S. 1–20, hier: 16 f.; Concetta Luna, Alain-Philippe Segonds (Hrsg.): Proclus: Commentaire sur le ParmĂ©nide de Platon, Bd. 1, Teil 1, Paris 2007, S. XLII–LIII.
cite-note-1818. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1606–1608.
cite-note-1919. ↑ Siehe zu den ĂŒberlieferten Angaben zu diesen Werken Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1608–1610.
cite-note-2020. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1617–1622.
cite-note-2121. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1564 f., 1590–1597.
cite-note-2222. ↑ Benjamin Gleede: Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos, TĂŒbingen 2009, S. 1–36; Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1622–1624.
cite-note-2323. ↑ Siehe zu den Fragmenten Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1624.
cite-note-2424. ↑ Zur Frage der Eigenleistung des Proklos siehe Chiara Faraggiana di Sarzana: Le commentaire Ă  HĂ©siode et la paideia encyclopĂ©dique de Proclus. In: Jean PĂ©pin, Henri Dominique Saffrey (Hrsg.): Proclus lecteur et interprĂšte des anciens, Paris 1987, S. 21–41 und Patrizia Marzillo (Hrsg.): Der Kommentar des Proklos zu Hesiods „Werken und Tagen“, TĂŒbingen 2010, S. XLVIII f.
cite-note-2525. ↑ Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1562 f., 1625–1630.
cite-note-2626. ↑ Michael Erler: Interpretieren als Gottesdienst. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 179–217, hier: 179, 180–185.
cite-note-2727. ↑ Siehe dazu Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns, Leiden 2001, S. 224–227.
cite-note-2828. ↑ Eine Übersicht bieten Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1631–1635.
cite-note-2929. ↑ Zur Bedeutung des systematischen Charakters von Proklos’ Denken siehe Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 65–84; Christoph Horn: Proklos. Zur philosophiegeschichtlichen Stellung und zum Forschungsstand. In: Matthias Perkams, Rosa Maria Piccione (Hrsg.): Proklos. Methode, Seelenlehre, Metaphysik, Leiden 2006, S. 7–34, hier: 10–12.
cite-note-3030. ↑ Siehe zu Proklos’ Aristoteles-Rezeption Carlos Steel: Why should we prefer Plato’s Timaeus to Aristotle’s Physics? In: Robert W. Sharples, Anne Sheppard (Hrsg.): Ancient Approaches to Plato’s Timaeus, London 2003, S. 175–187; Christoph Helmig: Forms and Concepts, Berlin 2012, S. 205–221.
cite-note-3131. ↑ Proklos, In Platonis Timaeum I 12,30–13,7.
cite-note-3232. ↑ Siehe dazu Michael Erler: Platons Schriftkritik und der Sinn der Aporien im Parmenides nach Platon und Proklos. In: Jean PĂ©pin, Henri Dominique Saffrey (Hrsg.): Proclus lecteur et interprĂšte des anciens, Paris 1987, S. 153–163, hier: 154 f.
cite-note-3333. ↑ Eine Übersichtsdarstellung bietet Pauliina Remes: Neoplatonism, Socksfield 2008, S. 7–9, 35–47.
cite-note-3434. ↑ Eine Übersichtsdarstellung bietet Pauliina Remes: Neoplatonism, Socksfield 2008, S. 47–59.
cite-note-3535. ↑ Übersichtsdarstellungen bieten Pauliina Remes: Neoplatonism, Socksfield 2008, S. 59–75 und Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 16–32.
cite-note-3636. ↑ Siehe zur philosophischen Praxis Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 234–254. Vgl. Henri D. Saffrey, Leendert G. Westerink (Hrsg.): Proclus: ThĂ©ologie platonicienne, Bd. 1, Paris 1968, S. XXVI–XXXV.
cite-note-3737. ↑ Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns, Leiden 2001, S. 27–31; Henri D. Saffrey: Accorder entre elles les traditions thĂ©ologiques: une caractĂ©ristique du nĂ©oplatonisme athĂ©nien. In: Egbert P. Bos, Pieter A. Meijer (Hrsg.): On Proclus and his influence in medieval philosophy, Leiden 1992, S. 35–50.
cite-note-3838. ↑ Gyburg Radke: Das LĂ€cheln des Parmenides, Berlin 2006, S. 72 f. Vgl. Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 228 f.; Marije Martijn: Proclus’ geometrical method. In: Pauliina Remes, Svetla Slaveva-Griffin (Hrsg.): The Routledge Handbook of Neoplatonism, London 2014, S. 145–159.
cite-note-3939. ↑ Siehe zu dem Konzept und zur Terminologie Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 28–32. Vgl. Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 259–267, 303–311.
cite-note-4040. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 31 f.; Klaus Kremer: Die neuplatonische Seinsphilosophie und ihre Wirkung auf Thomas von Aquin, Leiden 1971, S. 207–209.
cite-note-4141. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 70–72; Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 40–42.
cite-note-4242. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 76–82; Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 41–50.
cite-note-4343. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 82–86; Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 51–55.
cite-note-4444. ↑ Proklos, In Platonis Parmenidem 1128.
cite-note-4545. ↑ Jens Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus, MĂŒnchen 2004, S. 158–160.
cite-note-4646. ↑ Proklos, In Platonis Parmenidem 1191.
cite-note-4747. ↑ Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 279–284; Jens Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus, MĂŒnchen 2004, S. 160 f.; Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt am Main 1979, S. 361–382.
cite-note-4848. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 89–110; Christoph Horn: Proklos. Zur philosophiegeschichtlichen Stellung und zum Forschungsstand. In: Matthias Perkams, Rosa Maria Piccione (Hrsg.): Proklos. Methode, Seelenlehre, Metaphysik, Leiden 2006, S. 7–34, hier: 22–25; Anthony C. Lloyd: The Anatomy of Neoplatonism, Oxford 1990, S. 166–169; Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 74–83, 115.
cite-note-4949. ↑ Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 80; Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 24–50; Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 111–113.
cite-note-5050. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 50–89; Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 117 f.; Friedemann Drews: Menschliche Willensfreiheit und göttliche Vorsehung bei Augustinus, Proklos, Apuleius und John Milton, Bd. 1, Frankfurt 2009, S. 262–291.
cite-note-5151. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 118–164; Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 63–65.
cite-note-5252. ↑ Siehe dazu Dirk CĂŒrsgen: Henologie und Ontologie, WĂŒrzburg 2007, S. 87–94, 139–142.
cite-note-5353. ↑ Siehe zur Methode des Proklos im metaphysischen Diskurs Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 82–84; Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 15–19.
cite-note-5454. ↑ Siehe zur Problematik der Terminologie Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 113.
cite-note-5555. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 110–115.
cite-note-5656. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 74 f., 115 f.; Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 92–99.
cite-note-5757. ↑ Siehe dazu Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 117–123, 128–131.
cite-note-5858. ↑ Siehe dazu Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 131–136.
cite-note-5959. ↑ Siehe dazu Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 136–143; Michele Abbate: Il divino tra unità e molteplicità. Saggio sulla Teologia Platonica di Proclo, Alessandria 2008, S. 128–138.
cite-note-6060. ↑ Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 150–155.
cite-note-6161. ↑ Siehe dazu Veronika Maria Roth: Das ewige Nun, Berlin 2008, S. 142 f., 147–149, 155–160.
cite-note-6262. ↑ Pieter d’Hoine: The Status of the Arts. Proclus’ Theory of Artefacts. In: Elenchos 27, 2006, S. 305–344; Carlos Steel: Proclus et les arguments pour et contre l’hypothĂšse des idĂ©es. In: Revue de Philosophie Ancienne, Bd. 2 Nr. 2, 1984, S. 3–27.
cite-note-6363. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Bd. 5, Stuttgart-Bad Cannstatt 1998, S. 375–377; Matthias Baltes: Dianoemata, Stuttgart 1999, S. 305–308.
cite-note-6464. ↑ Siehe zu diesen Modellen Matthias Baltes: Die Weltentstehung des platonischen Timaios nach den antiken Interpreten, Teil 1, Leiden 1976, S. 38–63; Matthias Baltes: Dianoemata, Stuttgart 1999, S. 90–95.
cite-note-6565. ↑ John F. Phillips: Neoplatonic Exegeses of Plato’s Cosmogony (Timaeus 27C–28C). In: Journal of the History of Philosophy 35, 1997, S. 173–197.
cite-note-6666. ↑ Benjamin Gleede: Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos, TĂŒbingen 2009, S. 48; Matthias Baltes: Die Weltentstehung des platonischen Timaios nach den antiken Interpreten, Teil 2, Leiden 1978, S. 43 f., 46–50.
cite-note-6767. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 29–33.
cite-note-6868. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 30–33.
cite-note-6969. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 28, 36; John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 140–148.
cite-note-7070. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 40 f., 55 f.
cite-note-7171. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 34–38.
cite-note-7272. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 193–196.
cite-note-7373. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 196 f.
cite-note-7474. ↑ Benjamin Gleede: Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos, TĂŒbingen 2009, S. 160–162.
cite-note-7575. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 197–199; Emilie F. Kutash: Eternal Time and Temporal Expansion: Proclus’ Golden Ratio. In: Panayiota Vassilopoulou, Stephen R. L. Clark (Hrsg.): Late Antique Epistemology, Basingstoke 2009, S. 44–66, hier: 47–52; Éric Joly: Le temps n’est pas un produit de l’ñme: Proclus contre Plotin. In: Laval thĂ©ologique et philosophique 59, 2003, S. 225–234, hier: 229–234.
cite-note-7676. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 210 f., 213 f.
cite-note-7777. ↑ Werner Beierwaltes: Proklos, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt 1979, S. 207–214.
cite-note-7878. ↑ Proklos, Platonische Theologie 1,25, herausgegeben von Henri D. Saffrey, Leendert G. Westerink: Proclus: ThĂ©ologie platonicienne, Bd. 1, Paris 1968, S. 113 Z. 6–10. Zur Interpretation dieser Stelle siehe Anne Sheppard: Proclus’ attitude to theurgy. In: The Classical Quarterly 76 (= New Series 32), 1982, S. 212–224, hier: 219–221. Zur Theurgie bei Proklos siehe auch Robbert M. van den Berg: Towards the Paternal Harbour. Proclean Theurgy and the Contemplation of the Forms. In: Alain-Philippe Segonds, Carlos Steel (Hrsg.): Proclus et la ThĂ©ologie Platonicienne, Leuven/Paris 2000, S. 425–443; Ilinca Tanaseanu-Döbler: Theurgy in Late Antiquity, Göttingen 2013, S. 186–257. Vgl. Michael Erler: Interpretieren als Gottesdienst. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 179–217, hier: 183 f.
cite-note-7979. ↑ Michael Erler: Interpretieren als Gottesdienst. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 179–217, hier: 180–185, 216 f.
cite-note-8080. ↑ Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns, Leiden 2001, S. 18–34.
cite-note-8181. ↑ Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns, Leiden 2001, S. 18–22, 138–140.
cite-note-8282. ↑ Platon, Timaios 29e–37c.
cite-note-8383. ↑ Siehe dazu Mischa von Perger: Die Allseele in Platons Timaios, Stuttgart 1997, S. 33–35.
cite-note-8484. ↑ Siehe zu diesen Götterklassen Robbert M. van den Berg (Hrsg.): Proclus’ hymns, Leiden 2001, S. 35–43; Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 119–127. Vgl. Emilie Kutash: The Ten Gifts of the Demiurge, London 2011, S. 177–192.
cite-note-8585. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 41–44, 46, 94–98.
cite-note-8686. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 46–49; John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 43–46, 82–88; Jan Opsomer, Carlos Steel (Übersetzer): Proclus: On the Existence of Evils, London 2003, S. 15–19.
cite-note-8787. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 59–62; John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 46, 57–74.
cite-note-8888. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 62, 74–79; John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 44 f., 80–84.
cite-note-8989. ↑ John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 85; Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 60–62.
cite-note-9090. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 64–71, 80 f., 83–85; John Phillips: Order from Disorder, Leiden 2007, S. 46 f., 50 f., 105, 227–240; Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 208–218.
cite-note-9191. ↑ Anthony C. Lloyd: The Anatomy of Neoplatonism, Oxford 1990, S. 106 f.; Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 99.
cite-note-9292. ↑ Jean-Michel Charrue: Providence et libertĂ© dans la pensĂ©e de Proclus. In: Philotheos 9, 2009, S. 57–83, hier: 59–61.
cite-note-9393. ↑ Proklos, Über zehn die Vorsehung betreffende Zweifelsfragen 65.
cite-note-9494. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 98 f.
cite-note-9595. ↑ Siehe dazu Carlos Steel (Übersetzer): Proclus: On Providence, London 2007, S. 11–34 (Einleitung des Übersetzers).
cite-note-9696. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 98–105.
cite-note-9797. ↑ Nestor Kavvadas: Die Natur des Schlechten bei Proklos, Berlin 2009, S. 139–141.
cite-note-9898. ↑ Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 185–193.
cite-note-9999. ↑ Proklos, Kommentar zur Politeia I 177,4–179,2 und I 192,4–205,23.
cite-note-100100. ↑ Michael Erler: Interpretieren als Gottesdienst. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 179–217, hier: 187–192; Suzanne Stern-Gillet: Proclus and the Platonic Muse. In: Ancient Philosophy 31, 2011, S. 363–380. Vgl. Anne Sheppard: Proclus as exegete. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 57–79, hier: 68–73.
cite-note-101101. ↑ Reinhard Pichler: Allegorese und Ethik bei Proklos, Berlin 2006, S. 66–79. Vgl. Radek Chlup: Proclus, Cambridge 2012, S. 185–200; Patrizia Marzillo (Hrsg.): Der Kommentar des Proklos zu Hesiods „Werken und Tagen“, TĂŒbingen 2010, S. XXII–XLVIII.
cite-note-102102. ↑ Shmuel Sambursky: Naturerkenntnis und Weltbild, ZĂŒrich/MĂŒnchen 1977, S. 24–26.
cite-note-103103. ↑ Marije Martijn: Proclus on Nature, Leiden 2010, S. 179–192.
cite-note-104104. ↑ Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 266–268, 278–284, 293–301; Emilie Kutash: The Ten Gifts of the Demiurge, London 2011, S. 128–132; Alain Philippe Segonds: Philosophie et astronomie chez Proclus. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 159–177, hier: 163–177; Shmuel Sambursky: The Physical World of Late Antiquity, London 1962, S. 145–150; Dirk Baltzly (Übersetzer): Proclus: Commentary on Plato’s Timaeus, Bd. 5, Cambridge 2013, S. 17–21.
cite-note-105105. ↑ Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 282.
cite-note-106106. ↑ Marinos, Vita Procli 16,9–23.
cite-note-107107. ↑ Ammonios Hermeiou, In De interpretatione 1,6–11.
cite-note-108108. ↑ Siehe zu Damaskios’ Proklos-Rezeption Joseph CombĂšs: Proclus et Damascius. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 221–246; Gerd Van Riel: Damascius. In: Lloyd P. Gerson (Hrsg.): The Cambridge History of Philosophy in Late Antiquity, Bd. 2, Cambridge 2010, S. 667–696, hier: 671, 696.
cite-note-109109. ↑ Siehe zu Dionysius’ Proklos-Rezeption die Übersichtsdarstellung von John M. Dillon: Dionysius the Areopagite. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 111–124.
cite-note-110110. ↑ Benjamin Gleede: Platon und Aristoteles in der Kosmologie des Proklos, TĂŒbingen 2009, S. 1–36.
cite-note-111111. ↑ Eine Übersicht zum Liber de causis und seiner Rezeption bieten Cristina D’Ancona und Richard C. Taylor: Le Liber de causis. In: Richard Goulet u. a. (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. SupplĂ©ment, Paris 2003, S. 599–647.
cite-note-112112. ↑ Die Datierung ist umstritten; siehe dazu Richard Lemay: De la scolastique Ă  l’histoire par le truchement de la philologie: itinĂ©raire d’un mĂ©diĂ©viste entre Europe et Islam. In: La diffusione delle scienze islamiche nel medio evo europeo, Rom 1987, S. 399–535, hier: 443–446.
cite-note-113113. ↑ Siehe dazu Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1563; Helmut Boese (Hrsg.): Die mittelalterliche Übersetzung der Stoicheiosis physike des Proclus, Berlin 1958, S. 16–20.
cite-note-114114. ↑ Carlos Steel: William of Moerbeke, translator of Proclus. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 247–263.
cite-note-115115. ↑ Helmut Boese: Wilhelm von Moerbeke als Übersetzer der Stoicheiosis theologike des Proclus, Heidelberg 1985, S. 11–15.
cite-note-116116. ↑ Helmut Boese: Wilhelm von Moerbeke als Übersetzer der Stoicheiosis theologike des Proclus, Heidelberg 1985, S. 60 f.; Stephen Gersh: One thousand years of Proclus. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 1–29, hier: 18.
cite-note-117117. ↑ Loris Sturlese: Il „De animatione caeli“ di Teodorico di Freiberg. In: Raymond Creytens, Pius KĂŒnzle (Hrsg.): Xenia medii aevi historiam illustrantia oblata Thomae Kaeppeli O. P., Bd. 1, Rom 1978, S. 175–247, hier: 217–223; Kurt Flasch: Dietrich von Freiberg, Frankfurt am Main 2007, S. 311, 546 f.
cite-note-118118. ↑ Markus FĂŒhrer, Stephen Gersh: Dietrich of Freiberg and Berthold of Moosburg. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 299–317, hier: 299–302.
cite-note-119119. ↑ Siehe dazu Helmut Boese: Wilhelm von Moerbeke als Übersetzer der Stoicheiosis theologike des Proclus, Heidelberg 1985, S. 69 f., 84; Kurt Flasch: Einleitung. In: Maria Rita Pagnoni-Sturlese, Loris Sturlese (Hrsg.): Berthold von Moosburg: Expositio super Elementationem theologicam Procli. Prologus. Propositiones 1–13, Hamburg 1984, S. XII–XIV; Markus FĂŒhrer, Stephen Gersh: Dietrich of Freiberg and Berthold of Moosburg. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 299–317, hier: 305–316; Loris Sturlese: Homo divinus, Stuttgart 2007, S. 143–148, 181–197.
cite-note-120120. ↑ Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 172–177, 187–189, 191–212, 217–222; Stephen Gersh: Nicholas of Cusa. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 318–349.
cite-note-121121. ↑ Gerhard Endress: Proclus de Lycie. ƒuvres transmises par la tradition arabe. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1657–1674, hier: 1657–1661.
cite-note-122122. ↑ Gerhard Endress: Proclus de Lycie. ƒuvres transmises par la tradition arabe. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1657–1674, hier: 1661–1668; Elvira Wakelnig: Feder, Tafel, Mensch, Leiden 2006, S. 52 f.
cite-note-123123. ↑ Elvira Wakelnig: Feder, Tafel, Mensch, Leiden 2006, S. 71–73, 397–400; Elvira Wakelnig: Al-ÊżÄ€mirī’s Paraphrase of the Proclean Elements of Theology. In: Cristina D’Ancona (Hrsg.): The Libraries of the Neoplatonists, Leiden 2007, S. 457–469.
cite-note-124124. ↑ Zur Vorgehensweise des Isaak Sebastokrator siehe Benedikt Strobel: Proklos, Tria opuscula, Berlin 2014, S. 37–42.
cite-note-125125. ↑ Athanasios Angelou (Hrsg.): Nicholas of Methone, Refutation of Proclus’ Elements of Theology. A Critical Edition with an Introduction on Nicholas’ Life and Works. Athen/Leiden, Akademie von Athen/E. J. Brill, 1984. – Stephen Gersh: One thousand years of Proclus. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 1–29, hier: 15 f.; Dominic J. O’Meara: Michael Psellos. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 165–181; Michele Trizio: Eleventh- to twelfth-century Byzantium. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 182–215, hier: 182–190, 200–208.
cite-note-126126. ↑ Michel Cacouros: Deux Ă©pisodes inconnus dans la rĂ©ception de Proclus Ă  Byzance aux XIIIe–XIVe siĂšcles. In: Alain-Philippe Segonds, Carlos Steel (Hrsg.): Proclus et la ThĂ©ologie Platonicienne, Leuven/Paris 2000, S. 589–627, hier: 601–615, 626.
cite-note-127127. ↑ Michele Trizio: Eleventh- to twelfth-century Byzantium. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 182–215, hier: 208.
cite-note-128128. ↑ Stephen Gersh: George Gemistos Plethon. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 216–225.
cite-note-129129. ↑ Siehe zur umstrittenen Datierung Hans-Christian GĂŒnther: Die Übersetzungen der Elementatio Theologica des Proklos und ihre Bedeutung fĂŒr den Proklostext, Leiden 2007, S. 1 f. und Anm. 1; Lela Alexidze, Lutz Bergemann (Hrsg.): Ioane Petrizi: Kommentar zur Elementatio theologica des Proklos, Amsterdam 2009, S. 1–4; Tengiz Iremadze: Konzeptionen des Denkens im Neuplatonismus, Amsterdam 2004, S. 19–23.
cite-note-130130. ↑ Lela Alexidze, Lutz Bergemann (Hrsg.): Ioane Petrizi: Kommentar zur Elementatio theologica des Proklos, Amsterdam 2009, S. 1–18; Levan Gigineishvili, Gerd Van Riel: Ioane Petritsi: A Witness of Proclus’ Works in the School of Psellus. In: Alain-Philippe Segonds, Carlos Steel (Hrsg.): Proclus et la ThĂ©ologie Platonicienne, Leuven/Paris 2000, S. 571–587; Concetta Luna, Alain-Philippe Segonds, Gerhard Endress: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1612 f.; Lela Alexidze: Ioane Petritsi. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 229–244; Tengiz Iremadze: Konzeptionen des Denkens im Neuplatonismus, Amsterdam 2004, S. 53–58.
cite-note-131131. ↑ Lela Alexidze, Lutz Bergemann (Hrsg.): Ioane Petrizi: Kommentar zur Elementatio theologica des Proklos, Amsterdam 2009, S. 37; Hans-Christian GĂŒnther: Die Übersetzungen der Elementatio Theologica des Proklos und ihre Bedeutung fĂŒr den Proklostext, Leiden 2007, S. 4 Anm. 6.
cite-note-132132. ↑ Michael J. B. Allen: Marsilio Ficino. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 353–379.
cite-note-133133. ↑ Michael J. B. Allen: Marsilio Ficino. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 353–379, hier: 355–358; Paul Oskar Kristeller: Proclus as a Reader of Plato and Plotinus, and His Influence in the Middle Ages and in the Renaissance. In: Jean PĂ©pin, Henri Dominique Saffrey (Hrsg.): Proclus lecteur et interprĂšte des anciens, Paris 1987, S. 191–211, hier: 198–210; James Hankins: Plato in the Italian Renaissance, 3. Auflage, Leiden 1994, S. 441–444.
cite-note-134134. ↑ Thomas Leinkauf: Francesco Patrizi. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 380–402; Stephen Gersh: One thousand years of Proclus. In: Stephen Gersh (Hrsg.): Interpreting Proclus, Cambridge 2014, S. 1–29, hier: 21 f.
cite-note-135135. ↑ David Rabouin: Le rĂŽle de Proclus dans les dĂ©bats sur la „mathĂ©matique universelle“ Ă  la Renaissance. In: Alain Lernould (Hrsg.): Études sur le Commentaire de Proclus au premier livre des ÉlĂ©ments d’Euclide, Villeneuve d’Ascq 2010, S. 217–234.
cite-note-136136. ↑ Zu Keplers Proklos-Rezeption siehe Judith Veronica Field: Kepler’s Geometrical Cosmology, Chicago 1988, S. 167–171.
cite-note-137137. ↑ Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 11, 247–253.
cite-note-138138. ↑ Jay Bregman: Proclus Americanus. In: Panayiota Vassilopoulou, Stephen R. L. Clark (Hrsg.): Late Antique Epistemology, Basingstoke 2009, S. 228–249, hier: 228–234.
cite-note-139139. ↑ Albrecht Dihle: Die griechische und lateinische Literatur der Kaiserzeit, MĂŒnchen 1989, S. 502; Lucas Siorvanes: Proclus, New Haven/London 1996, S. 37 f.
cite-note-140140. ↑ Jens Halfwassen: Hegel und der spĂ€tantike Neuplatonismus, Bonn 1999, S. 398.
cite-note-141141. ↑ Zu Hegels VerhĂ€ltnis zu Proklos siehe Jens Halfwassen: Hegel und der spĂ€tantike Neuplatonismus, Bonn 1999, S. 386–400, 411–444, 461 f.; Werner Beierwaltes: Platonismus und Idealismus, Frankfurt 1972, S. 154–187.
cite-note-142142. ↑ Ludwig Feuerbach: GrundsĂ€tze der Philosophie der Zukunft. In: Feuerbach: SĂ€mtliche Werke, 2. Auflage, Bd. 2, Stuttgart-Bad Cannstatt 1959, S. 245–320, hier: 291 (Erstveröffentlichung 1843).
cite-note-143143. ↑ Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, hrsg. von Arthur HĂŒbscher, Bd. 2, Leipzig 1938, S. 90–92.
cite-note-144144. ↑ Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, hrsg. von Arthur HĂŒbscher, Bd. 1, Leipzig 1938, S. 61.
cite-note-145145. ↑ Eduard von Hartmann: Geschichte der Metaphysik, Bd. 1, Leipzig 1899, S. 180.
cite-note-146146. ↑ Friedrich Nietzsche: Gedanken und EntwĂŒrfe zu der Betrachtung: Wir Philologen. In: Nietzsche: Gesammelte Werke, Bd. 7, MĂŒnchen 1922, S. 198.
cite-note-147147. ↑ Hermann Cohen: Logik der reinen Erkenntniss, Berlin 1902, S. 485.
cite-note-148148. ↑ Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff u. a.: Die griechische und lateinische Literatur und Sprache, 3., verbesserte Auflage, Leipzig 1912, S. 282. Vgl. Michael Erler: Interpretieren als Gottesdienst. In: Gilbert Boss, Gerhard Seel (Hrsg.): Proclus et son influence, ZĂŒrich 1987, S. 179–217, hier: 180–182.
cite-note-149149. ↑ Eduard Zeller: Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung, Teil 3, Abteilung 2, 5. Auflage, Leipzig 1923, S. 841 f., 846, 888 f.
cite-note-150150. ↑ Karl Praechter: Die Philosophie des Altertums, 12., erweiterte Auflage, Berlin 1926, S. 626.
cite-note-151151. ↑ Ernst Bloch: Subjekt – Objekt. ErlĂ€uterungen zu Hegel. Erweiterte Ausgabe, Frankfurt 1962, S. 130, 357, 480.
cite-note-152152. ↑ Werner Beierwaltes: Procliana, Frankfurt 2007, S. 21.
cite-note-153153. ↑ Jens Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus, MĂŒnchen 2004, S. 154, 156, 161.
cite-note-154154. ↑ Gyburg Radke: Das LĂ€cheln des Parmenides, Berlin 2006, S. 555.
cite-note-155155. ↑ Eine Übersicht bietet Markus Schmitz: Zur Logik der henologischen Metaphysik. In: Maria Barbanti u. a. (Hrsg.): Î•ÎÎ©ÎŁÎ™ÎŁ ΚΑΙ ΩΙΛΙΑ. Unione e amicizia. Omaggio a Francesco Romano, Catania 2002, S. 455–467.
cite-note-156156. ↑ Vgl. dazu Concetta Luna u. a.: Proclus de Lycie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5 b, Paris 2012, S. 1546–1674, hier: 1582.